TESTNAVIGATION © AdventureBike - Ernst Südmeyer 2003
LC8 Das Erste Duell
Vorwort
Der erste Rundgang
Das Cockpit
Ergonomie - Sitzposition
Ausstattung & Tech. Daten
Motor
Wartung
Fahrverhalten
Bremsen
Alltagstauglichkeit
Reisetauglichkeit
Fazit
KTM gegen AfricanQueens
Fahrverhalten
Nach der ersten Inspektion und Probesitzen geht’s los. Der Sound der Twin mit dem neuen ... Endtopf von Queens übertönt zunächst einmal alle anderen Wahrnehmungen. Das edle Öhlins-Federbein und die enorme Marzocchi-Gabel bringen das Fahrzeug ca. 4 cm höher als das Original aus dem Honda Werk. Damit aber nicht genug, bei gleichem bzw. ähnlichem Gewicht ist der AfricanQueens Umbau leichter zu schieben und zu rangieren als das Original. Das bedeutet auch, dass dieses Motorrad bei langsamer Fahrt leichter zu balancieren und somit mit weniger Kraftaufwand zu steuern ist.
Auf der Strasse zeigt sich dieses Fahrwerk feinfühlig und vor allem Spurstabil, auch bei Geschwindigkeiten über 130 km/h. Die Bremsen, die Werksstopper der Honda AfricaTwin tun ihre Arbeit unverändert gut. Fein zu dosieren und wirkungsvoll bringen sie die Twin schnell zum stehen. Dabei nickt die gute alte Dame zwar vorne ein aber die 50er Marzocchi-Gabel ist in der Lage, diesen Effekt auf ein Minimum zu reduzieren.
Im Gelände zeigt die Queens-Twin weniger Kopflastigkeit als die Serienmaschine. Auch in tiefen Schotterpassagen bleibt sie einfach zu steuern. Bei Sprüngen kann selbst ein Fahrer jenseits der 110 kg Marke das Fahrwerk nicht in Bedrängnis bringen. Eine Gesamtleistung die überzeugt.
Nach der Leistung des Piloten, die Forte zu besteigen, folgt die Begeisterung, dieses monströs wirkende Motorrad zu fahren. Zuerst kommt jedoch die Orientierung und Eingewöhnung in dieses ungewöhnliche Cockpit, das eher für den harten
Wettbewerb auf den Langstreckenrallyes dieser Welt geschaffen ist als für den alltäglichen Einsatz auf europäischen Strassen. Der Sound: dumpf, kräftig, dennoch nicht ohrenbetäubend.
Ein Fahrwerk das auch bei Zuladung nicht nachlässt. Unglaubliche Qualitäten die mit dem originalen Fahrwerk der AfricaTwin nichts mehr zu tun haben!

Der erste Gang rastet ein und los geht’s. Nur eine leichte Bewegung am Gasgriff bringt sanften aber kraftvollen Schub. Auf der Strasse kann dieser Schub dann schon mal in einem leichten Gasdrift münden, ein riesiger Spassfaktor also! Von unten her kommt die „nur“ 78 PS starke Forte wie kaum andere Motorräder in dieser Leistungsklasse. Im oberen Drehzahlbereich kommt der Schub dann nicht mehr so spektakulär, aber er kommt.
Vorne findet man die gleiche Marzocchi-Gabel mit 285 mm Federweg wie auch schon an der AfricanQueens-Twin. Hinten geht ein spezielles Öhlins Federbein zusammen mit einem speziell von AfricanQueens
entwickelten Umlenkhebel zu Werk, um 320 mm Federweg zu ermöglichen. Genau diese extremen Federwege und die leicht veränderte Balance sind es, die dieses Motorrad unglaublich handlich machen.
Leicht, kraftvoll und mit jeder Menge Reserven. Unsere Kurzbeschreibung für das Fahrwerk der Rallye- Forte XRV840 von AfricanQueens. Um dieses Motorrad in die Schranken zu weisen braucht es
entweder einen hervorragenden Fahrer, eine 950 Adventure S oder gar eine Rallye 950 ? ...

Die Forte verfügt vorne nur über eine einzelne 276 mm Scheibenbremse mit einem Nissin Zweikolben-Schwimmsattel. Trotzdem verzögert diese Anlage das Motorrad auf kleinstem Raum. Auch hier ist ein Nicken der Gabel spürbar, das aber durch die 50 mm Marzocchi-Magnum in Grenzen gehalten wird.
Das faszinierende an diesem Motorrad ist, dass man durch die hervorragende Balance selbst im tiefen Schotter selten das Bedürfnis hat, die Füsse von den Fußrasten zu nehmen. In jeder Lage einfach zu steuern und vor allem leicht zu korrigieren. Will man enge Kurven und Anlieger mit ausgestrecktem Fuß im Kurveninneren fahren, so werden die Tanks allerdings zum Hindernis. Sicherlich funktioniert ein crossähnlicher Fahrstil auch auf der Forte, aber darauf ist sie nicht ausgelegt. Dieses Motorrad ist darauf ausgelegt, dass der Fahrer in jeder Lebenslage die Füsse auf den Rasten hält, und dazu noch den Großteil der Strecke im Stehen fährt. Die Tanks funktionieren dabei einerseits als Stütze für die Beine, andererseits als Angriffsfläche für die Oberschenkel bei der Gewichtsverlagerung.
Die KTM eröffnet eine ganz andere Welt. Schlank von vorne bis hinten ermöglicht die Bauweise die größtmögliche Bewegungsfreiheit für den Fahrer. In jeder Position fällt es dem Fahrer leicht, sein Gewicht entsprechend der Fahrsituation zu verlagern. Die lange Sitzbank erlaubt dem Fahrer, wie eine reinrassige Enduro, nach vorne und hinten zu rutschen, um mit seinem Gewicht Traktion auf das jeweilige Rad zu bringen. Extrem breite, gezackte Fußrasten mit einem Gummidämpfer in der Mitte bieten den entsprechenden Halt. Alle Schalter sind stets gut erreichbar und das Cockpit ist auch immer im Blickfeld. Kurzum, bei diesem Motorrad hat man sich einige Gedanken gemacht, um ergonomisch neue Wege zu gehen.
Beim ersten Ziehen der Kupplung wird klar, dass hier eine Hydraulik am Werk sein muss. Dass aber der Hebel so leicht zu bedienen ist, hat mit dem Aufbau der
neuen, drehmomentabhängigen Kupplung an dem LC8 Aggregat zu tun. Exakt zu dosieren, ist es eine Freude diese Kupplung arbeiten zu lassen.
Steigt man von der Forte auf die KTM, würgt man die arme Mattighofenerin gleich erst mal ab. In den unteren Drehzahlbereichen kann die KTM nicht annähernd so viel Drehmoment auf das Hinterrad übertragen wie die Forte. Ab ungefähr 4.500 Umdrehungen ändert sich dieses Verhältnis. Bis zur oberen Grenze bei 9.500 Umdrehungen kommt kontinuierlich Leistung, scheinbar ohne Loch. Das Resultat ist ein breites Grinsen des Fahrers, das nur durch Gewaltanwendung oder über einen gewissen Zeitraum der absoluten Ruhe wieder verschwindet.
Einer der Gründe für dieses Grinsen ist sicherlich das extrem sensible Fahrwerk, das sich an die unterschiedlichsten Untergründe anzupassen scheint. Auf der Landstasse und auf der Autobahn glänzt dieses Fahrwerk durch extremen Geradeauslauf und Stabilität, ohne dabei an Wendigkeit zu verlieren.
Mit dem Pirelli Scorpion MT90, letztendlich ein Strassenreifen, wird die 950 Adventure ausgeliefert. Dieser Reifen arbeitet sehr harmonisch mit
dem Fahrwerk der Österreicherin zusammen. Das Resultat: Grip ohne Ende. Die Leichtigkeit mit der dieses Motorrad durch engste Kurven zu manövrieren ist, macht einfach Lust auf mehr! Die wahnsinnige Power,
die sich hinter jeder Bewegung am Gasgriff verbirgt, sorgt für Beschleunigungsorgien nicht nur auf gerader Strasse, sondern auch aus jeder Kurve. Leichte Gasdrifts auf trockener Strasse und auch Wheelies
ganz ohne Kupplung können da schon mal passieren.
Spurrillen und viele Unebenheiten der Strasse sind einfach kaum wahrzunehmen. Ohne etwas davon zu merken, findet man sich immer wieder in Geschwindigkeitszonen jenseits von 140 km/h wieder.
Im offenen Gelände zeigt die 950 Adventure ihre Herkunft. Trotz der gestutzten Federwege von „nur“ noch 230 mm, nimmt das Fahrwerk Unebenheiten, Steine und Schlaglöcher mit Bravour. Dabei wird so sensibel ausgeglichen, dass die Rückmeldung über Lenker und Fussrasten ein Gefühl von ultimativer Kontrolle vermittelt. Lediglich im tiefen Schotter wünscht man sich Stollenreifen, um wenigstens ein wenig Grip zu finden.
Gas, Kupplung und Bremsen lassen sich extrem fein dosieren und erlauben so manches Kunststück mit der 950 Adventure. Wir raten gerade deswegen zur Vorsicht, denn es ist gerade dieses Fahrwerk, das möglicherweise zuviel Sicherheit vermitteln kann. Es ist leicht, die eigenen Fahrkünste mit diesem Motorrad zu überschätzen.
Text & Fotos: AdventureBike - Ernst Südmeyer

© AdventureBike - selectCOM - E.S. - 2001 - 2004


Sie sind hier:
Übersicht:
Anzeige:
Anzeige:
Das aktuelle Heft:
Anzeige:
Seit September 2005 haben wir leider die Weiterentwicklung von AdventureBike eingestellt. Der Grund für diese Entscheidung liegt im chronischen Zeitmangel.
Für das Interesse, Vertrauen und unermüdliche aufrufen unserer Seiten möchten wir uns bei Ihnen unseren Lesern bedanken. Es freut uns an dieser Stelle verkünden zu können das
über
1.000.000 Besucher sich die Zeit genommen haben hier vorbeizuschauen.
Bis auf weiteres wird AdventureBike von der Firma selectCOM weiter Betrieben, jecoch nicht weiterentwickelt.
Gruß
Ernst Südmeyer
WEB Design by: selectCOM