Schnuppertest
AfricanQueens, FORTE XRV 840
[AQ ÜBERSICHT] [FORTE-PROFIL] [TECHNISCHE DATEN]
Anfang November 02 hatten wir die Gelegenheit, die brandneue Rallye Forte von African Queens einzufahren. Für uns also eine Möglichkeit schon mal einen Vorgeschmack auf eine neue Generation von auf AfricaTwin basierenden Umbauten zu erhalten. Vorgeschmack weil ein Motorrad das eingefahren wird natürlich nicht mit Vollast bewegt werden sollte. Ein Grundsatz, ein Versprechen an den wir uns gehalten haben.
Vorweg unser Eindruck: Dieses Motorrad ist eine Waffe, wir plädieren für eine Waffenscheinpflicht!

Wenn man sich auf diese stolzen 96 cm Sitzhöhe begibt und mit nur
einem Bein in Schräglage den Boden berühren kann hat man schon den Gedanken, dass gewisse Situationen im Gelände problematisch werden könnten. Weit gefehlt: Durch das relativ geringe Gewicht
und einem erstaunlich tiefen Schwerpunkt lässt sich diese Maschine problemlos halten; auch wenn es mal zu anatomisch komplexen Körperhaltungen führt. Diese Tendenz zur einfachen
Manövrierbarkeit eröffnet sich dem Fahrer das erste Mal wenn er diese 189 kg schiebt. Im vergleich zur originalen AfricaTwin, egal in welcher Ausführung, ist es ein wahres Vergnügen die Forte durch die
Gegend zu schieben und rangieren.
Im direkten Vergleich zur ca. 30 kg leichteren KTM Adventure 640 schneidet die Forte bei dem Punkt Handlichkeit sehr gut ab. Nüchtern betrachtet dürfte sie von der Handlichkeit beim Schieben irgendwo zwischen Serien AT und LC4 Adventure liegen.
Nun ist ein Motorrad aber nicht zum Schieben da ... und in diesem
ganz besonderen Fall geht’s halt ums offene Gelände. Nach einigen hundert Straßenkilometern in Südtirol und im Trentino begaben wir uns zum ersten mal ins Gelände. Bis zu diesem Punkt hatten wir
schon gelernt, dass die Sitzhöhe nur beim Hin- und Herrutschen auf dem Sattel nervig war und uns eher zu Gleichgewichtskunststückchen an Ampeln verleitet hat. Die ersten
Meter im Gelände bedurften einiger Gewöhnung. So einfach und unkompliziert wie sich die Handhabung dieser Maschine auf der Strasse darstellt, war es für uns eine radikale Umstellung, mit einer
ungewohnt weichen Federabstimmung und dafür sehr harten Dämpfung, unseren Rhythmus zu finden.
Wie uns nach dem Test von AfricanQueens eröffnet wurde,
versucht man derzeit eine Abstimmung zu finden, die die vollen 320 mm Federweg hinten ausnutzt, um das Aufbocken* des Hecks beim überfahren bestimmter Hindernisse zu verringern. Wir
freuen uns also auf einen intensiveren Test in dem wir die Fortschritte begutachten können.
Hat man sich erst an das ungewohnte Ansprechen des
Fahrwerks gewöhnt geht’s mit einer Leichtigkeit durch das Gelände wie man es wirklich nur von Hard-Enduros kennt. Einen Zweizylinder so zu fahren zu können ist beeindruckend. Auch eine Wende auf einem steil
ansteigenden (12 - 15%) Hohlweg der mit Geröll bepflastert ist stellt keine große Herausforderung dar. Sowohl auf hartem, steinigen Untergrund als auch im tiefen Kiesbett hat
man mit diesem Fahrwerk, im Zusammenspiel mit einem Michelin Desert, ein klares Gefühl von Kontrolle.
Das im Gelände wirklich überraschende ist die pure Power, die sich ohne grosse Bewegung am Schnell-Gas-Griff entfaltet. Vergleichbar, aber wahrscheinlich noch
brutaler als der Schubeinsatz einer 520 EXC von KTM. Auch ohne dass wir an diesem Griff all zu weit gedreht haben lässt sich die
wahre Macht dieses Motors schnell erahnen. Wir ... sind begeistert!
Alles in allem ein interessanter, spannender Ausflug mit einem Sportgerät das zwar strassen- & tourentauglich ist, aber doch eindeutig in die Wüste gehört.
Wir freuen uns also jetzt schon diese neuste Errungenschaft von AfricanQueens im Frühjahr direkt mit der LC8 Adventure 950 zu vergleichen
ES
Weitere Artikel:
* Beispielsweise bei Kamelgrass kann es passieren das die Gabel das Hinderniss schluckt aber die Schwinge den Schlag so direkt weiter gibt das der Fahrer durch das aufbockende Heck vom Motorrad geworfen wird (Rodeo Effekt).

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