HardALP
... oder wie man aus einer Reiseenduro ein ungewöhnlich taugliches Abenteurergefährt zaubert
Ein Bericht von Carlo Albrecht.
Mein zweites Transalp-Projekt, Basis war diesmal ein 93er Modell, sollte dann doch leichter werden und noch mehr Bodenfreiheit
haben. Also musste als erstes die Verkleidung runter, da kann man gleich viele Kilos einsparen. Um die Reichweite zu erhöhen, habe ich auch hier einen RD04-Tank angebaut. Das ändert das
Leergewicht kaum merklich. Den Spalt
zwischen Tank und Kühler, habe ich mit je einer Blende aus dünnem PVC überdeckt. Die Linie sieht gefälliger aus und das Material wiegt fast nichts. Die nun leichtere Front hat auch einen positiven
Einfluss auf das Fahrgefühl. Die Transalp fährt sich nun fast wie ein Fahrrad. Um das Gewicht noch weiter zu reduzieren, verzichtete ich auf Sturzbügel (die hätten optisch auch nicht gut gepasst) und
Gepäckträger. Letzteres schränkt die Reisetauglichkeit zwar etwas ein, aber für Touren mit wenig Gepäck passt es. Den schweren Auspuff ersetzte ich durch einen leichteren Laser Produro. Natürlich
den mit ABE, ich will ja keinen Ärger mit den Mitbürgern haben. Von der alten Kardan-Enduro XLV750 habe ich den leichten Motorschutz übernommen. Die Sitzbank wurde zur Einzelsitzbank umgebaut
und an Stelle des Soziusplatzes ist nun ein Werkzeugtäschchen angebracht.
Die meiste Arbeit wurde wieder ins Fahrwerk gesteckt. Mehr Federweg und Bodenfreiheit gab es durch den Anbau einer XR600 Gabel.
Da diese auch 43 mm Durchmesser hat, habe ich auch hier die Gabelbrücken einer Africa Twin verbaut,
damit passt auch das originale Lenkschloss problemlos. Die von mir erstandene XR-Gabel hatte eine 17 mm Achse (baujahrabhängig), die Transalp-Achse jedoch nur 15 mm Durchmesser. Ich habe dafür zwei Lösungen gefunden. Die
einfachste Lösung ist gleich ein XR-Vorderrad einzubauen. Nicht weniger kompliziert ist es, wenn man das vorhandene Transalp-Rad mit größeren Lagern ausstattet. Dann müssen aber
auch die zwischen den Radlagern liegende Hülse, die linke Abstandshülse und der
Tachoantrieb angepasst werden. Wegen dem Gewichtsunterschied zur XR und natürlich auch aus Sicherheitsgründen, habe ich die mickrige XR-Scheibe durch eine 320 mm
Bremsscheibe von HE-Motorradtechnik ersetzt. Die um einiges längere Gabel verlangte auch nach einer entsprechend längeren Bremsleitung. Der Einfachheit halber habe ich eine
Stahlflexleitung für eine XR600 von Spiegler genommen. Die passt gleich genau und man spart sich das Messen.
Hinten habe ich wieder auf die längere Twin
-Schwinge gesetzt und auch gleich die Bremsanlage und das Hinterrad übernommen. Die Dämpfung übernimmt das original Federbein. Die Feder habe ich jedoch durch eine stärkere Version von WP ersetzt, die eigentlich auch für
eine Twin bestimmt war.
Das Cockpit habe ich wieder komplett entfernt. Hinter der Lampenmaske einer alten Honda XLV750 habe ich den Tripmaster einer RD07 angebracht. Durch das Einlöten eines Widerstandes zeigt dieser nun auch die Geschwindigkeit an und übernimmt so die Funktion des Tachos. Auf einen Drehzahlmesser habe ich verzichtet.
Tipp: Bevor man das Werkzeug auspackt, sollte man mit dem Tüv-Prüfer seines Vertrauens sprechen und mit ihm die Umbaupläne klären. Das spart Geld und vor allen Dingen Nerven. Meine Umbauten wurden anstandslos eingetragen!
Text & Bilder: Giancarlo Albrecht carlo@adventurebike.de

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