Tagebücher von der MasterRallye 2002
Der Gewinner der Master 2002,
Per Gunnar Lundmark
schildert seine Erlebnisse!
Mein Plan heute war, sicher zu fahren, auf Flick zu warten und nahe bei ihm zu bleiben und so nur die zwei Minuten
zu verlieren, die ich vor ihm gestartet bin. Der Plan ging auch fast auf, aber nach 100 km war die Batterie des GPS leer.
40 Minuten davor war ein Schalter zur Stromversorgung des Navigationsgerätes kaputt gegangen. Darauf startete die Notstromversorgung, aber als die Batterie leer war, hielt ich an, um zu checken, was nicht stimmte. Da überholte
mich Flick mit sehr hoher Geschwindigkeit und ich unterbrach meine Überprüfung und folgte ihm. Beim Tankstopp gelang es mir den Fehler zu beheben. Das gab mir ein gutes Gefühl.
Dann passierte nicht mehr viel, wir setzten beide zum Etappensieg an und fuhren mit Sicherheitsreserve. Bei km 321 von 360 führte Flick und wählte den falschen Weg in der Nähe einer Farm und selbstverständlich war das eine der wenigen Notes die ich nicht überprüfte. Als ich dann feststellte, dass wir falsch waren, kehrte ich um, fuhr aber zu weit zurück und fand den richtigen Track nicht wieder. Schliesslich beschloss ich, von der Piste ab zu fahren und nur mit GPS zu navigieren, was 7,9 km über eine Steppe mit 40-80 cm hohem Gras bedeutete.Es ging hier um CP6 den ich passieren musste, um nicht drei Stunden Strafzeit zu kassieren. Flick wählte das Risiko und damit einen Weg,der 45 Grad in eine falsche Richtung führte und verlor somit noch mehr Zeit als ich durch unseren gemeinsamen Fehler. Als ich am Ziel meinen Reservetrippmaster checkte, stellte ich fest, dass ich 23 km mehr als notwendig gefahren war. Das nenne ich tolpatschig!
Was lustiges passierte, als ich an CP2 ankam. Ich war der erste Fahrer dort, aber es war sonst NIEMAND da. Klingtdas nicht irgendwie bekannt? An dem Tag, an dem ich 10 Stunden in der Ungewissheit verbrachte, ob ich 3 Stunden Strafzeit kassieren würde oder nicht, beschloss ich, nie wieder einen CP ohne den Stempel in meiner Karte zu verlassen. Man kann seine Meinung aber immer ändern. Als ich das rote Markierungsband sah, wo die Offiziellen hätten sein sollen, war ich mir sicher, dass ich mich nicht verfahren hatte, wil die Stelle nahe an der Kreuzung an einem 50 Meter breiten Kanal lag.Ich fuhr sofort weiter und nach 15 km traf ich auf einen Toyota Landcruiser, in dem die Leute sassen. Sie gaben mir den Stempel sofort und sahen etwas beschämt drein, aber vielleicht hatte sie ja einen Platte, oder was weiss ich denn.
Mehr und mehr denke ich darüber nach, dass es unwichtig ist, ob ich mit einer Sekunde oder einer Stunde siege, es Zählt nur die Tatsache, dass ich die Master Rally gewonnen habe, wenn ich in 10 Jahren in Thomas’ Sauna mit einem Glas Brandy in der Hand sitze. Die sbringt mich dazu, vorsichtig zu sein und meine Führungsposition zu wahren. Das gefährliche an Wettbewerben teil zu nehmen, mit einem Mittel, das einen Motor besitzt, ist, dass jederzeit etwas kaputte gehen kann.
PG
Was für ein furchtbarer Tag! Es begann doch so gut damit, dass ich Lazard und Oosting einholte, aber dann
begannen die Schwierigkeiten. Am vorabend hatte Rene Metge über einen Eintrag im Roadbook gesprochen.
Es ging um eine Farm, einen ausgetrockneten See und eine Telegrafenlinie. Aber was bei Metge einige Minuten der Erklärung bedurft hatte, kam durch Antonias übersetzung raus als:
„Just look for the post“.
Irgendwas life mit meiner Navigation schief an diesem Punkt, ich weiss aber nich immer nicht, was. Drei Fahrer folgten mir und nach einer Weile kehrte ich um, die andere drei fuhren aber auf einem Weg weiter, der 45 Grad von der Kompassrichtung abwich. Ich versuchte, den Richtigen Weg zu finden, was aber nicht klappte und in purer Verzweiflung begann ich nur nach GPS-Richtungspfeil zu fahren. Natürlich gab es da keinerlei Piste und nach einiger Zeit merkte ich, dass ich auf der falschen Seite des Kanals entlang fuhr. Nach 8-10 km musste ich mich entscheiden, ob ich weiter in die richtige Richtung fahren sollte und später eine Brücke finden würde, oder ob ich umkehren und dadurch 20 Minuten verlieren sollte. Wäre ich zu diesem Zeitpunkt etwa Fünfter gewesen, wäre ich das Risiko ein gegangen und wäre der richtigen Richtung gefolgt. Jetzt hatte ich allerdings nicht den Nerv dazu. So kehrte ich auf dem Weg, auf dem ich gekommen war, um und verlor viel Zeit. Danach fuhr ich auf lokalen Wegen bis CP2. Ich hatte 12 Minuten auf Flick verloren, aber mehr noch verlor ich einiges an Selbstvertrauen. Bis zu diesem Tag war meine Navigation gut, besonders unter dem Gesichtspunkt, dass ich die Rally die meiste Zeit angeführt hatte. Ich wusste, dass es um einen wichtigen Eintrag ging, als Rene Metge gestern darüber sprach, aber wieso hatte ich nicht mehr nach gefragt?
Ich möchte hier Missverständnissen vorbeugen und euch etwas über die Organisation dieser Rally erzählen. Es ist die absolut best organisierteste Rally, bei der ich je teil genommem habe. Das Roadbook ist so genau und gut, dass man absolut allen Gefahrenhinweisen, die markiert sind, vollkommen vetrauen kann. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre und ich habe das Gefühl, bei dieser Rally willkommen zu sein. Wir sind wirklich eine grosse Familie, obwohl unser Haufen aus 21 Nationen zusammen gewürfelt ist. Rene Metge hat 17 Dakar Rallys mit dem Auto bestritten, und ich glaube, dass wir seine reiche Erfahrung im Roadbook wieder finden. Ich verstehe nicht, wie er es schafft freundlich und hilfsbereit zu sein, und während dess Renntages noch alles zu machen, das ist unglaublich. Ich möchte betonen, dass ich diese Rally euch allen empfehlen kann, die ihr eine Wüstenrally bestreiten möchtet.
Mein Mechaniker Holger Roth macht einen fantastischen Job. Ich bin wirklich zufrieden mit ihm. Er arbeitet täglich an die 8 Stunden an meiner Maschine. Das unglaublichste daran ist, dass er Probleme voraus sieht und sie von vorn herein beseitigt, bevor sie mich während des Rennens ereilen. Als er beispielsweise mit seiner geschickten Hand den Gasgruff anfasste, merkte er sofort, dass der Gaszug angerissen war, was ich nicht bemerkt hatte. Ich kann ihm getrost alle Mechanikerangelegenheiten überlassen in der Gewissheit, dass sie am nächsten Morgen gelöst sein werden.
Diese 8 Tage sind wir immer auf irgendeiner Art von schlammigem Untergrund gefahren, ein Untergrund, auf dem ich sehr wenig Praxis habe, soweit hat die Rally auf dem für mich schwierigsten Untergrund Statt gefunden. Die ersten Tage auf sand habe ich richtig genossen, aber Schlamm muss ich noch mehr trainieren.
/PG
Russland ist das Land der Überraschungen. Heute wurde ich während der Verbindung- setappe von der Polizei
angehalten, weil ich zu schnell gefahren war. Die russische Polizei hat an den Strassen Kontollhäuschen und Beobachtungstürme, so alle 50 km entlang der Haupstrassen. Ausserdem steht an jeder vierten Kreuzung ein Polizeiwagen. Ich fuhr
also friedlich auf einer dieser Strassen mitten im Nirgendwo im Glauben, dass die zulässige
Höchstgeschwindigkeit 100km/h sei, als ich von der Polizei gestoppt wurde und mir gesagt wurde, erlaubt seien 60 km/h. Ihre „Laser-Pistole“ hatte ihnen 89 km/ angezeigt.
Ich habe keinen blassen Schimmer, wie schnell Flick, Oosting und Dabrowski, die schon am Strassenrand standen, gefahren waren, aber wir waren alle von der Verkehrpolizei erwischt worden. Ich begann mich auf all die Rubel ein zu stellen, die ich nun zu zahlen hätte. Während nun der Polizist mahnend, natürlich auf Russisch, da stand, geriet ihm einer der Organisationshelikopter ins Blickfeld. Er war etwa 80 Meter über uns und der Polizist hielt ihm seine Radar-Pistole entgegen, mit Händen und Füssen gab er mir zu verstehen, wie toll er es fand, dass der Hubschrauber so schnell flog. Sehr stolz zeigte er mir das Display, auf dem 200 km/h standen. Dies gab der Geschichte eine neue Wendung, fünf Minuten später winkte er uns zum Abschied und unsere Strafe bestand darin, auf dem Hinterrad davon zu fahren. Oosting legte zweifelhasfte 10 Meter vor, Flick 100 m, Dabrowski 300 m. Der Polizist sah nicht recht zufrieden aus, also fuhr ich solange auf dem Hinterrad, wie er mich sehen konnte und noch ein bisschen weiter. Stellt euch die Schwedische Polizei vor, Temposünder so zu bestrafen.
Jetzt bin ich nur noch eine 40 Minuten dauernde Sonderprüfung vom ersten Gesamtsieg bei einer World Cup Wüstenrally entfernt. Heute hatte ich zugegebenermassen einige Probleme im letzten Fluss, und sowohl meine Maschine als auch ich gerieten etwas zu tief rein, so dass ich nicht weiss, auf welchem Platz ich heute gelandet bin. Aber ich bin mit Sicherheitsreserve gefahren und schätze, etwa zwei Minuten an Flick verloren zu haben. Und wo glaubet ihr hatte Eurosport gerade seine Kamera postiert? Sie war das erste, was ich sah, als ich aus dem Wasser wieder auf tauchte, also verpasst nicht die halbstündige Sendung auf Eurosport am 25. oder 26. August, ich wette, sie zeigen mein unfreiwilliges Bad.
/PG

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