DAS BIKE SCHWEBT
 Ein Bericht von Albert Pucher - Fotos: Haliklik


                          Der klassische Erzberg - Horror wurde Wirklichkeit:
                            Abflug in die Unendlichkeit, praktiziert von der
                               Erzberg – Elite: Vorjahressieger Christian
                                 Pfeiffer, Enduro Europameister Werner
                                   Müller, und andere. Am Schlimmsten
                                     erwischte es den KTM - Mitarbeiter
                                       und Topfahrer Robert Theuretzbacher.

 

Grade war sie noch da, die gute Mutter
Erde. Deutlich konnte Robert noch das
Geröll unter den wühlenden Stollenreifen

Backflip - www.haliklik.at
Foto: www.haliklik.at

fühlen. Plötzlich ist aber alles ruhig und es zieht die
Landschaft im Dunst der Staubwolken märchenhaft
entrückt unter ihm vorbei.

 

Höhe: Etwa sechs, sieben Meter, prognostizierte Flugweite: 30 Meter,
Landebahn: Geröllhalde, grobe Körnung.

Was denkt sich ein Rennfahrer in dieser Situation?

Wie wärs mit: „Das ist mein letztes Erzberg- Rennen“ ???

Das hat sich Robert Theuretzbacher nämlich gedacht... aber schon vor dem Rennen. Man sollte eben aufpassen, was man so denkt. Denn das Leben ist unerbittlich und sehr einfallsreich beim todsicheren Erfüllen solcher Wünsche. Man denke nur an Fabrizio Meoni’s Sager: „Das wird meine letzte DAKAR“.

Robert ist etwa als Nummer 10 vom Start weggekommen, musste dann am Starthang aber umdrehen, weil er im Gewühl nicht rechtzeitig Gas geben konnte. Trotzdem hat er sich bis zum Wasserrohr –Steilhang wieder etwa auf Rang 15 vorgeboxt. Danach geht’s flach in einer weiten Linkskurve zur „Badewanne“. Leider laufen da zwei Trassen leicht höhenversetzt parallel zueinander: Verwechslungsgefahr!

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Foto: www.haliklik.at

Das Dumme ist: Einer der beiden Wege endet nach einem halbmeterhohen Querwall im Nichts, und wer den Wechsel nach links, auf die richtige Seite im Eifer des Gefechtes übersieht....

„Ich habe gerade einen überholt und war daher leider auch besonders schnell unterwegs“, resummiert Robert später im Spitalsbett: „Ich wollte den Querwall mit Speed überspringen, konnte aber nicht sehen was dahinter ist“.

Er ist mit diesem schwerwiegenden Fehler zwar nicht alleine, aber dafür darf er den Weitenrekord für sich verbuchen. Leider bedeutet dies auch: Je weiter, desto tiefer! Im Flug hat er daher noch reichlich Zeit, vier bereits im Graben liegende Motorräder zu zählen.

Zuerst macht er instinktiv, was alle gesundheitsbewussten Motocrossfahrer praktizieren: „Ich hab die Maschine im Flug sofort seitlich weg gestossen!“

Und dann hat er noch Zeit zu denken: „Jetzt wird’s gleich finster werden!“, denn dass er diesen Aufprall bei Bewusstsein übersteht, kann er sich nicht vorstellen. Irgendwann ist der längste Flug zu Ende, und er schlägt mit dem Steissbein voran auf....

Der Aufprall ist so heftig, dass Robert benommen daliegt, und erstmal fünf Minuten braucht, um wieder Luft zu bekommen. Er nimmt sich selbst den Helm ab und sieht neben sich Chris Pfeiffer, der sich die schmerzende Schulter hält. Chris kann aufstehen und verspricht Hilfe zu holen. Denn Robert kann nicht aufstehen: “Ich hab gleich gewusst, dass mit der Wirbelsäule was Gröberes ist...“.

In der Klinik werden die Ärzte Trümmerbrüche von mehreren Rippen und zweier Lendenwirbel feststellen. Normal ist das ein haliklikFall für den Rollstuhl.... Aber drei Operationsstunden später ist Robert um einen Kilo feinstes Edelmetall schwerer, und in die Zehen kommt langsam wieder Gefühl zurück. Er wird wieder gehen können. Und die Karriere als Rennfahrer? „Jetzt will ich erstmal wieder gesund werden. Aber ich denke, dass es mit der Rennfahrerei vorbei sein wird“.

Alles Gute, Robert!

Text: Albert Pucher
Fotos: www.haliklik.at

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