Generalrichtung  Red Bull Bogen 
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     angasen

         und ...

  Boing,
    Padauz,
       Schepper!

Mit einigem Getöse kommt das, was mal eine neuwertige 525EXC war, zum Stillstand. Oder besser: Still-lieg? Was soll man machen, wenn plötzlich ein kinderwagen- grosser Kiesel im Weg liegt? Du weißt genau vom Video mit MC- Star Jürgen Fink, dass so knapp vor der steilsten Stelle ein Wieder an- oder Weiterfahren unmöglich ist. Also herumgezerrt, runtergehoppelt, Verschnaufpause? Sinnlos!

Du könntest noch zehn Minuten da stehen, und das Schnaufen nimmt kein Ende! Also lieber gleich neuen Anlauf nehmen. Diesmal ist besser zielen ein MUSS. Denn ohne Redbulliges Nachtanken reicht die Energie kaum für diesen, letzten Versuch.

Spätestens JETZT ist es aber echt an der Zeit, sich gründlich in den ARSCH zu BEISSEN: Denn im letzen Jahr hatte die ganze Familie mitgeholfen, die klaffenden Lücken zwischen den Felsen der vom Regen komplett ausgewaschenen

www.haliklik.at Foto: www.haliklik.at

Rampe mit Schotter zu füllen. Um zumindest die CHANCE zu haben, drüberzukommen. FALLS man das Zündstofflager überhaupt jemals erreichen SOLLTE. Der spätere Sieger Chris Pfeiffer hat sich damals sicher über die sanft gepolsterte Rampe gefreut.... Wegen der praktischen Unerreichbarkeit, haben wir diesmal diese schweisstreibende Aktion unterlassen. Selber schuld, jetzt müssen wir eben über die Spitzen der nackt daliegenden Brocken balancieren!

Leider ist auch kein geordnetes Schwungholen möglich, denn die Anfahrt ist eine enge S-Kurve. Und der Untergrund ist grobe Sprengung mit Körnung Faust- bis Kindskopfgross. Zwei kleinere, Zementsack- grosse Kiesel hast Du nach dem ersten, gescheiterten Versuch schon zur Seite gezerrt. Doch der Kinderwagen- grosse Koffer liegt noch mittem im Weg! Also mit der Zweiten SANFT aber mit NACHDRUCK Gas gegeben, am Felsen vorbei- geeiert, doch aus übertriebenen Respekt vor der folgenden engen Steilstufe doch zu zaghaft am Griff gedreht: Fussraster und Lenker verhaken sich im Fels, genau in der steilen Engstelle.

Jetzt geht’s weder vor noch zurück.
UFF: Bombenfest im Fels verhakt!

Normalerweise helfen sich hier die Fahrer gegenseitig. Aber entweder sind schon alle durch, oder die anderen sind meiner Abbiege- Spur in den Wald gefolgt. Und arbeiten sich gerade über die Wurzeln auf.... Glücklich der, der seinen Caddy hier am neuralgischen Punkt der Strecke postiert hat: Martin springt zur Hilfe, zieht nur leicht am Vorderrad, und hopp, wir sind über die Kante! Es ist schier unglaublich, was so 1/10 PS am Vorderrad bewirken kann! Komisch, dass dieses Jahr kein einziges Allrad- Bike am Start zu sehen war....die Stars kommen offensichtlich gut OHNE Zughilfe zurecht. Allrad = Nothilfe nur für fahrtechnische Nudelaugen?

www.haliklik.at Foto: www.haliklik.at

Nach der Steilstufe geht’s am Besten flach nach rechts rüber, dann am Hinterrad Schwenk nach links....und...ah! Fast springt die brave Maschine alleine vorwärts, als das Hinterrad nach dem Turn wieder Grip bekommt! Einmal hilft Martin noch mit einem Dreh am Vorderrad, wir hoppeln über etliche Grosskiesel, und: OBEN!

Ein bisher schmerzlich herbeigesehnter, eher hypothetischer Wunschtraum ist damit in Erfüllung gegangen: Wir haben den Ort erobert, der bisher scheinbar ausschließlich der Weltelite wie Cyril Despres oder Juha Salminen vorbehalten war! Das Belohnungs- RedBull schmeckt mir zum ersten Mal, das hübsche Promotion- Mädel hat das picksüsse Zeug aber auch mundgerecht mit Mineralwasser verdünnt. So bekommst auch Du endlich die dringend benötigten Flügel, denn das Zündstofflager ist nicht das Ziel. Es ist von 15 Checkpoints erst die No.8, also erst gut die MITTE! Aber am ENDE aller Kräfte.

Und auch das ENDE der Startbatterie! Der Motor gibt sich scheinbar mit diesem Achtungserfolg zufrieden und macht keinen Mucks. Und die Mucki’s des Fahrers schon lange nicht mehr, und die Wirkung vom Roten Bullen lässt noch auf sich warten. Da! Die Rettung! Ein Rettungsmann (kräftig gebaut) erklärt sich bereit, ein paarmal zu treten. Nach einer Minute spritzt ihm der Schweiss waagrecht aus den Poren. Wir päppeln ihn auf mit einem RedBull. Nichts! Jetzt ist er reif für eine Infusion! Sein Kollege versucht sich, ein schmächtiges Bürschchen. Er hält den Dekompressor gezogen, und tritt einige Male schnell hintereinander durch, locker wie bei einem Moped: BRRRRR! Läuft!

Normal fällt Dir bei sowas ja die Kinnlade runter. Am Gipfel der Erschöpfung ist aber kein Platz zum Wundern, mit einem gehauchten „Vergelts Gott!“ schnurrst Du bergwärts. Die gute KTM hätte genügend Kraft, um das folgende Flachstück im Sturmwind- Tempo zu durcheilen. Aber Flügel wachsen langsam, und Du begnügst Dich mit einem mittleren Tempo, das nicht anstrengt und doch etwas Fahrtwind zur Kühlung des überhitzten Piloten und des dampfenden Kühlers bietet.

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WUAHH! Plötzlich stehst Du am Ende der Welt!

Grade bist Du den REITWAGEN- Pfeilen und der deutlich ausgefahrenen Spur gefolgt, und BAM! Endet die Strecke im Nichts! 20 Meter geht’s da runter, und im Sattel sitzend ist keine Halde, Rampe oder dergleichen auszumachen. Da wurde einfach der Berg und der Rest des Weges weggesprengt und von gigantischen LKW’s weggekarrt. Krächzend zieht eine schwarze Bergdohle ihre Bahn über der fahlen Felswand. Nicht auszudenken, wenn Du da im Renntempo ankommst....da wären die Flügel die einzige Rettung gewesen. Das KANN also NICHT der richtige Weg sein!

Mit tief eingezogenen Schwanz wendest Du, und ...richtig! Da liegen ja zwei Pfeilchen dezent am Boden! Kein Pflock, kein Absperrbandel! Da hilft nur Dein ARGUSAUGE, Intuition, und eine gesunde Portion GLÜCK!

Und eine Portion MUT, den Du für die bisher schlimmste Auffahrt brauchst: Mit einem mindestens einem Meter hohen, ECHT senkrechten Ausstieg! Nicht SEHR steil, nein, ECHT SENKRECHT! Schwarz, dräuend und blank hängt die Felswand ober Dir. Sowas bist Du zuletzt in einem ganz schlimmen Albtraum gefahren. Das war die Szene, wo sich der Bock rückwärts überschlagen hat, und Du mit einem lauten „WAH!!!!!“ im Bett hochgefahren bist. Klitschnass geschwitzt.

Der Schweiss- Ausbruch lässt auch jetzt nicht auf sich warten: „Hilfe!“ Wie kann der Katoch nur so gemein sein! Gemein, gemein, gemein! So eine Falle einbauen, die garantiert materialmordend ist: Falls Du es nicht schaffst, und wenn sich die 130 Kilo wieder unaufhaltsam auf den Weg nach unten machen..

haliklik... und hoffentlich nicht auf Dich draufknallen! Zuletzt hat so eine Aktion 7 Rippen zerbröselt! Lieber nicht nochmal. Aber andererseits: Wann kommst Du wieder in die vorzügliche Gelegenheit, mit einer halben Stunde Polster so NAH am Traumziel Schrägaufzug zu sein? Und jetzt wegen DEM Hangerl aufgeben?

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Text: Albert Pucher
Fotos: www.haliklik.at

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