NIEMALS,  ... Herr Karl!

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                      Diese Kommunikation mit dem inneren Schweinehund hat sich in wenigen Sekundenbruchteilen beim Heranrollen an das Ungetüm abgespielt. Jetzt, um nicht wie ein komplettes ARSCHLOCH dazustehen, gibt’s nur noch EINES: „Pull the Hammer down!“, würde Rubber Duck in „CONVOY“ kommandieren. Also, so sei es: Schlitternd geht’s nach oben, gas Gas GAAS!, Nur nicht vor lauter Respekt den Drehgriff streicheln, nein; Der gehört brutal gewürgt!

                      Hoppla, so ein ungewolltes extrem- Wheelie nach einer herben Landung am Hinterrad zeugt von gastechnischem Übermut. Aber lieber so, als andersrum...

                      Die restliche Route ist vergleichsweise leicht und führt wieder weit nach rechts in den Wald über dem Wasserrohr: Aha! Da sind die Stellen aus dem Video, wo es in engen Fussweg- Serpentinen den Wald hinunter geht: Wenden oder rückwärts rollen? Der Motor ist so unschlüssig, dass er erstmal ausgeht.

                      STILLE! Nur ein paar Vogerln zwitschern, und aus dem Kühler dringt ein leises „Pfft!“ Alle 5 Minuten wird die Stille unterbrochen von einem hilflosen „KATSCHUMPF!!“. Jedesmal wird alle restliche Kraft des geschundenen Körpers in die Wadeln geleitet. Für einen neuerlichen Ankick- Versuch.

Wo sind die Sanitäter? Wo die Rettung? Wo die Anderen? So still und einsam ist es hier. Ist da heute kein Rennen? Katschumpf, tschumpf, tschsch...plopp! Wieder nichts, und schon ist wieder eine Viertelstunde verronnen...Tja, und wie wir wissen, ist dann der Motor genügend abgekühlt, dass er sich ganz leicht ankicken lässt: Rrrrr! Und ab!

NEIIINNN! Nach nur 100 Metern ein Steilabbruch, das sieht man den Schleifspuren an, hier wird nicht gefahren, sondern bergab gezahrt und gerutscht. Da stellt man normal den Motor ab und macht den Benzinhahn zu! Nicht mit Mir! Also Motor laufen lassen, ja nicht zu flach legen (ist eh ur-steil), und immer mit Sattel nach oben rutschen lassen. Rrrrr, blubbern die 500 Kubik: „Brav, Susi, immer

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weiter so !“, redest Du ihr Mut zu, während es rutschend abwärts geht.

Aber da müsste auch gewendet werden und ein am Boden senkrecht verlaufendes Stahlrohr überquert werden. Geht nicht ohne Kopfstand, man müsste den Motor abstellen. Aber weiter unten ist eine Mulde, und da ist das Rohr einen Meter in der Luft, da könntest Du UNTEN durch. Hingerutscht, hingeschoben, umgelegt: Herrjeh, viel zu flach, da läuft der Vergaser aus und schon röchelt der Motor knapp vor dem Absterben! SCHNELL auf die andere Seite gesprungen, mit fliegenden Fingern gepackt, durchgezerrt, hochgerissen! Rrrrr! Brav!

Zu früh gefreut, nach nur wenigen Metern Rollstrecke geht’s wieder abwärts, und zwar nachhaltig 10 Meter weit, mit Bäumen und Felsen unten, also nichts mit Fahren! Und das Schlimmste: Ein 1,5 Meter hoher senkrechter Abbruch davor. Zum Glück diesmal bestückt mit einem Helfer: „Mach den Motor aus, den brauchst Du hier nicht!“. Bei der Kopfüber- Lage am Abbruch geht das von alleine. Der Helfer hält oben am Hinterrad, Du rutscht mit der Front in die Tiefe, hältst den Lenker mit der einen, und den Baum mit der anderen Hand:

Knirsch! Die Fuhre kommt ins Rutschen!

Du musst den Baum auslassen, und in einer kleinen Schotterlawine geht’s abwärts. Die Tankplastiks werden herumgebogen, und geknickt, und Immer tiefer gräbt sich die Lichtmaske in das Geröll: Und plötzlich geht’s „KLICK, huiiiii!“ Der Lüfter beginnt zu wirbeln! Herrjeh! Der zieht jetzt den letzten Saft aus der Batterie, die Steine haben den Lüfterschalter unerlaubt umgelegt! Mit fliegenden Händen buddeln, Schalter suchen: KLACK! Aufatmen. Unten angelangt erstmal Suche nach einem Kickbox- Meister, der dem Motor wieder Leben einhauchen könnte: Das Karma meint es gut mit Dir, der Rotkreuzmann hat ein Kreuz wie ein Stier und Kawumm: Läuft das Ding!

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Nicht weit davon: Ein Checkpoint! Schnell ankreuzen lassen! Blick auf die Uhr: 15.55! Blick nach oben: Eine furchterregende, weil nabentief zwischen Steinen zerfurchte Steilauffahrt in den Wald! Das muss die Anfahrt zum Schrägaufzug sein. Da Du die Bilder aus dem Video kennst, wo sich die Leute schon VOR dieser Schlüsselstelle mit platzenden Kühlerschläuchen aufarbeiten: KEINE CHANCE, den Schrägaufzug oder gar den dahinterliegenden CP 10 zu erreichen. Nicht in 5 Minuten!

Aber eine Chance besteht in 5 Minuten: RUNTERDÜSEN zum Ziel und noch ein RedBull unter dem Zielbogen erhaschen! Das gehört einfach als krönender Abschluss zu einem gelungenem Hare Scramble Tag dazu! Also Vollgas nach unten.

Jetzt darfst Du aber aus falsch verstandenen Ehrgefühl folgenden Fehler nicht machen: Die letzten Passagen der Strecke noch fahren! Denn FAHREN ist ja sowieso ein Witz: Hierher kommen nur noch die absoluten Weltmeister. Und entsprechend lässig ist die Streckenführung: Einfach !DA! runter. Zuerst im Wald, fast senkrecht mit scharfer Rechtskurve im freien Fall. Das schafft keiner im Fahren, Du rutscht lieber nebenher für den Fall dass alles plötzlich schneller wird als geplant.

Schwitz! Nachdem das überstanden ist: Wieder in der Direttissima fast senkrecht abwärts: Kein Schotter, kein Lehm, nichtmal solider Stein! Sondern locker verkeilte Schieferplatten! Traktion: Höchst fraglich! Unten kein Bremsweg sondern der neuerliche Abbruch in das Bachbett. Das schafft vielleicht ein Stuntweltmeister! Hinterher erfährst Du, das es den Drittplazierten Ralf Scheidhauer (D) hier fürchterlich zerlegt hat. GULP! Das Risiko gehst Du VIELLEICHT ein, solange Du im Rennen, kurz vor dem Ziel bist. Aber so...praktisch ausser Konkurrenz: Keine Lust, hier die Lachnummer für blutrünstige Journalisten zu sein:

Salopp umschifft, aber die AUFFAHRT ins Ziel, die muss schon sein. Auch wenn Dich hier dieselben Schieferplatten angrinsen, aber mit Schwung bergauf kann Dir die Traktion eigentlich piep-wurscht-egal sein. Roaaarrr! Und oben! Jetzt kommt die finale Überquerung der riesigen LKW- Reifen: Fast einen Meter hoch sind diese drei Ungetüme aus Gummi und Stahl. Gulp!. Zum Glück (?) steht schon der Zerberus mit der roten Flagge da! Es ist 16.00 Uhr vorbei, jetzt darf keiner mehr das Ziel passieren...

Naja, egal! Denn mit CP 9 und Plazierung 71 kannst Du hochzufrieden sein für jemanden der bisher maximal den CP 5 und Platz 151 bis 212 erreichte. Und überhaupt: US Superstar, Supercross Champion Travis Pastrana, der um 10.000 Dollar auf haliklikseinen Sieg gewettet hatte: Er kam auch nicht weiter als CP 9! So wie KTM Sportchef Kurt Nicoll.

Also sind wir hier schon in der Märchenwelt des Hochadels. Hey! Das fühlt sich schon fast an wie ein Ritterschlag! Geht es so weiter, stehen wir nächstes Jahr, kurz nach dem 50ten Geburtstag minimum in der zweiten Startreihe. Und wir kommen mindestens unter die top 30.  Ist das nicht eine gewaltige Ansage?

- ENDE -

Text: Albert Pucher
Fotos: www.haliklik.at

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