Im Backofen des Hare Scramble
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Unbekannte Weiten, Neue Welten, Heilige
Erde, Orte der Sehnsucht: Zündstofflager, Schrägaufzug, Märchenwald, Rock’n Roll ... Das sind die höheren Weihen des Erzberg Hare Scrambles. Wenn bisher Jahr für Jahr maximal bei Checkpoint 4 (Badewanne)
oder CP 5 (Bergwerkstollen) Endstation war, dann rücken die höheren Weihen, die höheren Trassen, der Gipfel, und ganz bestimmt das Ziel in unerreichbare, transzendentale Fernen. Denn insgesamt sind 14
Checkpoints zu passieren.
Wir konsultieren Veranstalter Karl Katoch, betreff Unterstützung für Filmaufnahmen auf der Strecke. BAM! Eben hat er noch freundlich gelächelt, plötzlich verfinstert sich seine Miene, wie von Meister Yoda der in Star Wars gerade die Nachricht vom Todesplaneten erhält. Aschfahl wird die Miene, und starr schweift der Blick in unendliche Fernen:
„Macht‘s Euch keinen Kopf wegen der Filmerei, denn Du wirst heute den Startkessel nicht verlassen“
dringt unheilschwanger die düstere Prohezeihung an unser Ohr: „Es ist zu wenig Schotter zwischen den groben Steinen, es werden nur die Besten schaffen!“ GULP! Leises Unbehagen macht sich in der Magengrube breit: „Vielleicht hätte ich dieses Wochenende doch lieber zu Mutti’s Kaffeekränzchen gehen sollen“, quäkt es aus dem Kleinhirn: „Du solltest zum 50er vielleicht mal an Deine Gesundheit denken!“.
Zum Glück ist zum Denken keine Zeit. In glühender Mittagshitze beginnt die Startaufstellung, und ....was ist das? Warum kocht der Bock schon nach wenigen Minuten? Auweia! Der Lüfter steht! Da schiesst Dir der Dampf entgegen
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Hat etwa der Karl seherische Fähigkeiten weil er den Ausfall im Startkessel so punktgenau vorhersagte? War es ein Kurzschluss beim Umbauen und die Sicherung ist hin? Zu spät zum Grübeln. Jetzt heisst es: Anpacken! In der Startaufstellung Werkzeug auspacken, die hämisch grinsenden Typen nebenan ignorieren!
Also überlegen: Die Sicherung kann es nicht sein, weil der Lüfter an derselben Sicherung wie für Starter und Hupe hängt. Und der Starter geht ja (noch). Also Schalter ausbauen, Lüfter testen, Schalter wieder an der alten (sturzgefährdeten) Stelle wieder einbauen: Lüfter geht noch immer nicht. Ist der Thermoschalter hin, oder ist der Motor schon zu kalt? Keine Zeit mehr, denn eben erhebt sich von vorne ein wütendes Brüllen, und schon prasseln die Kiesel vom Start der ersten Reihe auf uns ein. Egal ob Lüfter oder nicht, der Kessel wird notfalls mit kochendem Motor verlassen. Bitte lieber Gott, lass den Karl nur ein einziges Mal Unrecht haben!
Kleine Sünden scheint der Herr aber schnell zu bestrafen, denn ein Blick über die Schulter lässt das Blut gefrieren: Von den eben gestarteten Profis in der ersten Startreihe purzelt schon gut die Hälfte am ersten Hang kreuz und quer in der Gegend herum! Hat DAS der Karl gemeint? Was ist heute bloss mit dem Berg los? Der Starthang
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Egal, denn der Brite David Knight ist allen voran quer über alle Spuren hochgefräst wie nix. Und das steht auch in unserem Drehbuch, nicht wahr? Nur: Wie und wo soll es da hochgehen, wenn beim Start der zweiten Startreihe die Hälfte der Ersten noch im Hang klebt oder ratlos nach freien Spuren suchen. Der Hang ist eindeutig zu überbevölkert! Einfach haarstäubend, wie die sich bei den verzweifelten Versuchen, trotzdem anzugasen, sich gegenseitig abschiessen! Und dann preschen noch mal 50 wilde Reiter in das Chaos! Was jetzt da drinnen in dem Knäuel aus Eisen und Blut geschieht, kann niemand ausserhalb der riesigen Staubwolke genau erkennen. Nur das heisere Röhren der Motoren, das Prasseln des Schotters und die verzweifelten Schreie der Kollisionsopfer dringen aus der Dunkelwolke nach draussen.
GULP! Jetzt verschwindet die dritte Startreihe in dem schwarzen Loch. Und oben tropfen nur Wenige aus dem Dunstkessel heraus.
Das hat schon eine gewisse Auswirkung auf Deinen Reisgang!
Der schöne Plan, als Erster die Startreihe zu verlassen und dann die Direttissima a la David Knight hochzufallen: Alles hinfällig! „Der Karl weiss schon, wovon er spricht“, meldet sich neckisch das Kleinhirn. Was soll man dazu sagen? Ausser: „Ruhe im Funkverkehr da oben!“ Na dann eben wie im Vorjahr: PLAN B (Kampf ohne Regeln).
Nur noch eine Minute, schnell das Werkzeug wieder verstauen, Zeigefinger und Daumen lauern auf Warmstarthebel und Startknopf: Da! Wir fühlen uns geehrt! Der grosse Heinz „KINI“ Kinigardner persönlich wird den Start vornehmen. Er stand eben noch teilnahmslos am Streckenrand, mit einem Ruck steht er jetzt plötzlich mitten auf der Strecke und reisst
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Also vom Gas, die zwei Henker vorgelassen, denn bei dem übervölkerten Starthang kommts auf die Pole Position nicht mehr so an. Also mit Gebrüll hinein ins Gewühl! Hinter der Nebelwand bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen:
Alle brauchbaren Auffahrten sind von gestürzten oder eben kollidierenden Recken belegt, die Knight‘ sche Schrägfahrt wegen Querverkehr unmöglich. Also Alternative suchen: In der Mitte zwischen zwei Rinnen ist etwas Schotter in den Übergang gekullert. Zwar –schluck- faust- bis kopfgrosse Brocken, aber es ist eine Art Rampe und überhaupt besser als frontal in den Hang zu knallen.
Dritte voll? Unmöglich! Aber auch schon mit Halbgas volle Kompression, volle Stauchung! Auweia, was wird Mutti zu meiner lädierten Männlichkeit sagen? An den Lenden wird später eine dezente
Blaufärbung zu sehen sein. Und hoffentlich hält das der Hinterreifen aus, denn aus Gründen der Traktion hatten wir der eingeschlossenen Luft grossteils die Freiheit geschenkt. Resultat: Wir
sind zu
langsam + der Hang ist zu steil und zu lang! Mit glühendem Kupplungsbelag baggern wir uns bange Sekunden lang nach oben. Jippie! Die Becker –Faust dokumentiert: „Ätschi- bätschi, lieber Karli, diesmal hast Du Dich gründlich getäuscht!“
Karli’s Vorahnung bestätigt sich allerdings dramatisch an anderer Stelle: Bei Startreihe 7 muss es geschehen sein, dass ein Voll- Angaser von unten mit einem abwärts- driftenden Fahrer FRONTAL kollidiert: Man hört von offenem Oberschenkel- Bruch.
Text: Albert Pucher
Fotos: www.haliklik.at

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