PucherScramble
Die Zerreissprobe
Aus! Hilfe! Schmerz!
Der Zug in den Armen wird unerträglich! Tief schneidet das Seil ins Fleisch, langsam weicht die Kraft aus den Armen und Fingern. Alles hängt jetzt von
mir ab, wenn ich jetzt auslasse, wird Heike böse abstürzen. Das DARF nicht geschehen, Parzival würde niemals aufgeben, um seine Genevra aus den Klauen des Drachen zu befreien: „To beat the unbeatable foe!“
Als die Gelenke knacken erklingt plötzlich im Hinterkopf die Film- Musik von Braveheart. Dudelsack und Flöte spielen das Lied vom Vierteilen. So muss sich ein Freiheitskämpfer im Mittelalter gefühlt haben, wenn den Pferden die Sporen gegeben wurden.
Zähne zusammen und durchhalten. Verflixt: Wie bin ich eigentlich in diese missliche Lage gekommen?
Sauwetter und Eiseskälte
Angefangen hat es wie immer mit dem „High Noon“: Start zum Erzberg Hare Scramble pünktlich Mittags, wenn die Sonne am höchsten Steht. Ahem: Sonne? Diesmal mit
Strafverschärfung. Statt Schauer Dauerregen, statt Mailüfterl Eiseskälte, statt Sonnenschein Schneegestöber. Im Mai. Nein: Ende Mai! Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?
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Selber schuld: Wie konnten wir auch nur auf die uncoole Idee verfallen, statt wie sonst einspurig, diesmal die Bikes per geheiztem Lieferwagen anzukarren? Und dann noch zu allem Überfluss statt Bergsteigerzelt zusätzlich ein Luxus- Wohnmobil mit allem Komfort und zurück mit dabei! Das konnte ja nicht gutgehen. Da der Wettergott solche Weicheier wie uns nicht duldet, hat er eben gehörig in die Eiskiste gegriffen, um uns dem Komfort gründlichst zu vermiesen.
Arme Erzberg- Puristen. Da hocken nun mindestens 1000 von den über 1500 Enduristen frierend in Zelten und hinter behelfsmässigem Windschutz, und versuchen sich an ständig verlöschenden Lagerfeuern die Finger zu verbrennen. Von „Wärmen“ kann keine Rede sein: Vorne heiss, hinten EIS. Liebe Kollegen, nächstes Jahr wird wieder mitgelitten, dann ist das Wetter bestimmt wieder schöner! Kaum zu fassen....man hört trotzdem kein böses Wort, nur das Klackern der Zähne ist zu hören:
Klacke-di-klack!
Die Stimmung im proppvollen Festzelt ist super wie immer, obwohl es aus Platzgründen auf der unteren Ebene aufgebaut werden musste. Zwar ist die Anreise im –gratis- Shuttlebus vergleichsweise umständlich, aber das tolle daran: Es ist der einzige geheizte Ort weit und breit. Nach zwei, drei Touren hinauf und hinunter beginnt wieder langsam Gefühl in die erfrorenen Zehen und Finger zurückzukehren.
Zwei Tage Dauerregen genügen, um den Erzberg in ein Wechselbad von Wasserlöchern und Schlammpfützen zu verwandeln. Der Rest besteht aus:
a) ur-glitschigen Wurzeln,
b) scharfen und griplosen Steinen.
Und als besonderes Schmankerl: Das Bachbett, wo man letztes Jahr gemütlich von Stein zu Stein rollen konnte, ist heute ein bis zu knietief angeschwollenes Wildwasser: Fieberhaft werden vom Streckenbau Ersatzrouten ausgesteckt, die nicht immer leichter als das Original sind.
OK, wir stellen uns der Herausforderung. Was bleibt uns schon anderes übrig? Das Nenngeld ist ja bezahlt, und wozu habe ich mich ein Jahr lang auf diesen Tag (würg) gefreut? Ich sollte mich gelegentlich auf Sado-Maso -Abartigkeit hin untersuchen lassen, hat Mutti gesagt.
Sonntag Mittag: High Noon am Erzberg
Die 500 qualifizierten Fahrer sind in Reih und Glied aufgereiht. 50 pro Startreihe. Je langsamer, desto weiter hinten. Heute ist Reihe 6 dran, begonnen hat es vor drei Jahren mit 8. „Super!“, denk ich
bei mir: „Dann bist Du mit 54 in der ersten Startreihe, wenn das so weitergeht“.
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Schlag Zwölf: Der Motorlärm erstirbt. ... Stille ...
Nur der Wind pfeift leise, und die Graupeln klackern monoton gegen den Helm.
Klacke-di-klack.
High Noon! ... Lässig, mit klirrenden Stiefeln kommt jetzt bestimmt gleich John Wayne um die Ecke.
Stiefel ja, aber klirren tut nur die Kälte! Es kommt nämlich Karl Katoch, der Veranstalter, und er hält keine Winchester, sondern die zusammengerollte Startflagge in Händen.
Da!
Herr K. schwenkt mit einem Ruck das Schwarz-Weisse Schachbrett, die E-Starter orgeln das Lied vom neuen Enduro -Zeitalter, und mit tierischem Gebrüll bricht die erste Startreihe auf in das grosse Abenteuer.
Jetzt heisst es aber aufpassen wie ein Schiesshund, denn die Stars und Cracks sollten ja eigentlich wissen, wo es langgeht. Welche Route an den neu aufgeschütteten Hängen über dem See würden sie nehmen? Die Direkte mit dem kurzen Anlauf oder den Umweg mit genügend Beschleunigungs- Strecke?
Aber was ist das? ... Bin ich in einem Stuntfilm? ... Will jeder plötzlich den Taurus- Award gewinnen? ... Oder werden die Stars neuerdings fürs möglichst malerische Stürzen bezahlt? ... Oder hat jemand gar die Hänge mit Schmierseife präpariert?
Das ist doch ... das reinste ... Waterloo am Erzberg!
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Kein Zweifel, da steht irgendwo ein unsichtbarer Rächer und schiesst einen Cowboy nach dem anderen aus dem Sattel! Die Ersten des Pulks –durch das Schneetreiben schwierig zu erkennen wer- kugeln plötzlich in der Gegend herum! Ja schon das erste, drei Meter hohe Treppchen fordert seinen Tribut. Und wer nicht am ersten Hang stürzt, scheitert am Zweiten!
Wer ist dieser Verrückte, der alle Wälle mit viel zuviel Speed nimmt, und ur-weit springt? Etwa Travis Pastrana, der junge Heissporn aus den USA, der um 1000 Dollar gewettet hat, dass er minimum den dritten Platz erreicht?
Da hat er sich aber verkalkuliert! Denn durch den Mega- Sprung nach dem zweiten Steilhang hat er kaum noch Anlauf für neuerliches Schwungholen übrig und geht im folgenden Hang ein wie eine Primel in der Sahara zur Mittagszeit. Und er behindert damit auch die Nachkommenden! Einer nach dem Anderen bleibt hängen, und die Gedanken und freundlichen Zurufe der Strauchelnden sind unschwer zu erraten. Man meint, das Kriegsgeschrei und den Kampfeslärm bis hierher zu hören.
Und die Handvoll, die an den Gestürzten vorbeizieht, ereilt es am nächsten, noch höheren Hang! Denn die werden je höher immer steiler und länger!
Da liegen und kugeln die Cracks traurig in der Gegend und in den Hängen herum, wie Custers Armee nach dem Sieg von Sitting Bull am Little Big Horn.
Mein Gott, was für ein Gemetzel! Blutrünstiger kann es in keinem Western zugehen. „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“, soll Sitting Bull gesagt haben. Nicht nötig, meines ist schon in die Hose gerutscht:
Denn was soll nur aus uns Normalsterblichen werden? Da fährt die bittere Erkenntnis ein wie ein Blitz: ENDSTATION SEHNSUCHT! Oder eher: FINAL COUNTDOWN?
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„Der Streckenbau hat Wetten abgeschlossen, dass maximal 15 Fahrer durchkommen, er hat sich einige Überraschungen einfallen lassen“, hat der Herr K. am Vorabend noch getönt. Aber nicht dazu gesagt, dass die Überraschung gleich zu Beginn erfolgt.
Gerechnet hat er aber sicher nicht damit, sonst würden hier Streckenposten stehen, die den Verkehr an der Anfahrt regeln würden.
OK, also Kampf ohne Regeln!
Aus der Ferne sehen die Hänge mittlerweile aus, wie eine Fliegenfalle aus Leimpapier. Da liegen sie verstreut herum und zappeln aus Leibenskräften. Endlich schaffen es zwei nach oben, dann noch eine Handvoll: Jetzt ist endlich klar, in welchem Film wir mitspielen: DIE GLORREICHEN SIEBEN!
Dann: Stille. Nur die Graupeln drippeln leise gegen den Helm: Klacke-di-klack ...
Es sind schon wieder zwei Minuten vergangen, und die nächste Startreihe eilt mit plötzlich aufbrüllenden Motoren in ihr Verderben. Jetzt wird es gleich Ernst, noch ein letzter Blick hinüber: Am Leimpapier kaum noch Platz für neue Fliegen! Jetzt kugeln sie schon übereinander. „Oh Ganesha, mächtiger Beseitiger von Hindernissen!“ bete ich bei mir: „Bitte räume mir eine Startstrecke frei“.
Prompt erfüllt er mein Stossgebet: Das tut er immer, nur sollte ich lernen, präzisere Angaben zu machen. Im vorauseilenden Gehorsam starten nämlich sogleich vier Henkermeister links und rechts vor mir ihre Boliden, und als Herrn K’s Fahne erst zu zucken beginnt sind sie schon unterwegs und säubern meine Beschleunigungsstrecke von überflüssigen Kieseln. Einige dieser Brocken landen –BAUTZ!- in meinem Gesicht, und der Nasenrücken wird noch tagelang blau angelaufen sein...
Also was hilfts? Immer hinterher! Null Sicht. Kaum ist der Abreisser von der Brille, stellt ein neuer Schlamm- Schwall die
Nullsicht wieder her. Jetzt ist mir klar, warum einige der Cracks wie blind ins Verderben gelaufen sind. Sie WAREN buchstäblich blind. Boinng! Wo kommen die Riesensteine auf der Strecke plötzlich her? Hoffentlich dichtet das Anti-Platt
den Schlauch wieder ab!
Autsch! Ein anderer Brocken trifft meinen Ringfinger, zwei weitere den Oberschenkel. Nix gebrochen? Ganesha sei Dank, alles heil!
Jetzt hinein ins Gewühl der Fliegenfalle, Sekunden später bin ich mitten drin. Und schon der erste Anlauf wird zu einem Eiertanz knapp am Seeufer entlang. Tückisch grinst mich das tiefgrüne Wasser an: „Komm zu mir! Nur fünf Zentimeter weiter, und Dein Leiden hat ein Ende!“ Prost Mahlzeit, denn wer da hineinfällt, kann sicher sein, das Bike auf nimmer- Wiedersehen in 50 Meter Tiefe zu verabschieden.
Ein Kollege hat sich eine kürzere Startspur ausgesucht, und schlägt prompt einen Krater im Hang vor mir. Ergebnis: Von nun an gings bergab: Kniefall, runter, neuer Anlauf, klappt wunderbar, doch die Spur ist oben durch eine Zappelfliege schon belegt und die Ausweichroute endet zwei Meter unterhalb der Kante.
Zum Glück ist Hilfe zur Stelle, zwei Samariter zahrn kräftig an den Gabelholmen.... und OBEN! Aber dann ging erst mal gar nichts mehr.
„Wegen Überfüllung geschlossen“ Das steht unsichtbar in den nächsten Hang graviert. Des Rätsels Lösung: Die neu aufgeschütteten Hänge direkt am See haben die Qualität der Waschberge am Fahrerlager, wie sie vor drei Jahren waren: Grundlos tief, total loses Konglomerat aus bis zu Kindskopf – grossen Bruchsteinen bis Feinsand. Die Katastrophe: Die Kiesel sind von den ersten Bikern auf die Beschleunigungs- Strecke geschleudert worden. Und bist Du glücklich nach vorne bis zur Kante gehoppelt –viel zu langsam natürlich- erwartet Dich der bremsende Triebsand.
Mehr Speed? Geht nicht. Es sei denn, Du stellst Dich ganz hinten an. Nur kommt garantiert einer der sich direkt VOR Dich hinstellt und sich da ganz blöd anstellt:
Erstmal in lethargisches Sinnieren verfallen, dann Nase und Brille putzen, Benzinhahn kontrollieren. GÄHN! Zehn endlose Minuten vergehen. Ein ganzes Heer von Denkern und Denkmälern hat sich VOR mir eingefunden. HIER kann ich warten bis ich 50 bin, und das sind noch zwei ganze Jahre.
Gulp! Da hat sich jemand eine Alternativ- Strecke eingebildet und ist ungespitzt in die Hang- Kante geknallt: Abgang über den Lenker, Salto und mit Gesicht voran in den Sand. Das Bike bleibt liegen, auf allen Vieren krabbelt der schwer angeschlagene Held aus der heissen Zone. Der hat erst mal genug, ich auch. Jetzt platzt MIR zur Abwechslung der Kragen: Ganesha muss mich missverstanden haben, denn er hätte eigentlich DIESE Startstrecke für mich freiboxen sollen.
Also Selbsthilfe:
Als meine Stimme vor „Hau ab da vorne“, und „Schleich Di“- Gebrüll zu versagen beginnt, helfen ein Paar KLEINE Steinchen, um die Bremser vorne zur Seite zu bitten. Na bitte, was solls! Habe ja nur höflich angeklopft:
Klacke-di-klack!
Endlich ist die Startstrecke frei, und Du erlebst prompt am eigenen Leib das Gefühl wie es ist, wenn Du ungespritzt in den Hang knallst: Mit der Wucht einer Erzberg- Sprengladung fetzt es Dir die Luft aus den Lungen, Du fühlst Dich aus dem Sattel katapultiert wie beim Rodeo- Ritt ... Rodeo- Ritt?
Aha, na endlich hab ich’s kapiert, daher der Name ERZBERG - RODEO!
Na, und mit viel Glück und eisernem Griff um den Lenker finden die Beine wieder ihren Stammplatz links und rechts vom Sattel. Nur für die Vollbremsung des Körpers aus dem freien Fall sollte sich die Natur andere Körperteile aussuchen als ausgerechnet die zwei Empfindlichsten: „Knirsch !!!“
Jetzt hast Du endlich eine Vorstellung davon, wie sich Bully Herbig beim Sattelsprung im „Schuh des Manitu“ gefühlt hat. Uahhhh! Und Nachsatz von Apahatschi: „Hach wie ist das fein, wenn der Schmerz wieder a bisserl nachlasst!“
Rooarrr! Jetzt kann die 520er endlich ihre Muskeln spielen lassen und wir fliegen den Hang hinauf....fast ganz hinauf, denn oben ist am letzten Meter Abspringen und Drücken und Zahrn angesagt- und ....oben!
Hab ich beim Interview vor dem Start tatsächlich so einen kapitalen Unsinn vorgeschwärmt und was von „Sau rauslassen“ geschwafelt? „Herrgott, dann tu’s doch endlich, Albert!“ ruf ich mir zu. Na gut, und jetzt, nach dem Gipfelsieg am See, ist endlich Platz dafür.
Die Hänge vor den alten Waschbergen sind vergleichsweise fest und griffig, das geht alles locker mit der Zweiten, und der Waschberg selbst bietet dank dem Stau am See Anfahrtsraum im Überfluss, ein wahres Speed- Paradies! Zweite, Dritte, die dreht voll, und jetzt geht’s wir im Sturmwind nach oben. SO ungestört schafft es fast jeder.
DIE HECKSCHLEUDER
Der Stolz in der Brust über den erlegten Waschbären weicht plötzlich einer tiefen Beklemmung: Jetzt kommt die Stelle, die mir letztes Jahr beinahe Kopf und Kragen gekostet hätte: Die gekurvte Steilabfahrt, mit Heckschleuder ganz unten. Wer keinen Bremsfallschirm im senkrechten Einstieg mit dabei hat, ist unten garantiert SO SCHNELL, dass es ihn aushebt.
Ein Blick von oben bestätigt meine intimste Befürchtung, mein verdrängtes Problem, mein Heckschleuder- Trauma: Es ist noch dieselbe Falle eingebaut, und rechts steht die Ambulanz, verbindet gerade ein Opfer. Und wartet. Nein, lauert: Der nächste „Kunde“ kommt bestimmt.
„Nicht mit mir!“
Ich bin wild entschlossen, lieber zu über-bremsen und „kontrolliert“ zu stürzen, bevor ich noch mal unten den Salto schlage.
Schon ist die Rutsch-Partie im vollen Gange, nur der freie Fall beschleunigt schärfer!
Im letzten Moment erkenne ich eine Verschneidung am Rand, die sicheres Ausrollen erlaubt. „Ka-Wumm-Schepper-di -Knirsch“ ertönt es schon hinter mir, als ein Bike plötzlich zur eigenen Explosionszeichnung mutiert. Daneben ein ziemlich tiefer Krater aus dem Helm und Handschuhe hervorlugen. Der gute Mann hatte offenbar keine so guten Kontakte zu seinem Schutzengel.
Oder vielleicht doch? Ist ein vorzeitiges Abklatschen mit leichten Blessuren nicht vielleicht doch besser? Besser als an den glitschigen Bergflanken endgültig und letal zu zerschellen? „Lieber in Würde Abmustern statt stiller Abgang im duftenden Holzpyjama“, fährt mir die Erkenntnis ins Gebein. Quatsch! Meine Jungs stehen doch schon auf eigenen Beinen, und überhaupt: Wer früher geht ist länger dort!
Aber was ist das? Habe ich nicht eine Terasse tiefer eine Handvoll neunmalgescheite Desperados erblickt, die gerade die Direttissima vom See hierher genommen haben? Wo ist der Sheriff? Wo die Justiz? Mein Sohn an der Kamera hat diese Outlaws auch beobachtet. Keine Ahnung, mit welcher Leistung sich diese Banditen später brüsten wollen: „Wir haben den Erzberg am schlauesten beschissen?“ Oder: „Am elegantesten hereingelegt?“ Oder was? Egal: Das Karma ist unerbittlich, und jeder erhält seinen Lohn. Kein Zweifel, dass hier ein spezielles Ding gedreht wird: DAS DRECKIGE DUTZEND.
Die BUSSE folgt auf dem FUSSE: Das WASSERROHR
Wenn Du Dich tatsächlich schon gefreut haben solltest, die Startberge mehr oder weniger elegant überwunden zu haben: Zu früh gejubelt! Denn jetzt kommen erst die echten Büsser- Passagen. Und: Der Wasserrohr- Steilhang ist erst der Anfang. Furchterregende 60 Meter hoch! Selbst KTM- Star Juha Salminen hat hier seinerzeit sämtliche Sünden auf einen Schlag abgebüsst! Wer in die Wertung will, muss hier rauf: Oben ist der erste Checkpoint!
Wenn Du den Startbergen und dem Wasserrohr zum Opfer gefallen sein solltest: Wenn Du also nicht bis hierher zum ersten Checkpoint geschafft hast: Nicht traurig sein, Du bist in guter Gesellschaft. Immerhin werden Dir eineinhalb Seiten der Ergebnisliste gewidmet. Eng bedruckt! 170 Mann! Ja, MANN denn die beiden Mädels, Katrin und Lisi sind da glücklich drüber und durch.
Es kommt eben auch auf die Erfahrung an: Diesmal habe ich am Kranz einen Zahn mehr (45), und am Ritzel (13) einen weniger als zuletzt. Damit dreht die Dritte VOLL, und die 55 Pferde röhren von unten bis oben das Lied vom Speed: Kein Zurückschalten mehr nötig, oben geht’s im Galopp am Checkpoint vorbei: Fast in den Zaun geknallt, muss umdrehen um meinen ersten Stempel am Helm auszufassen.
Dabei ... dahinter beginnt es erst ECHT ARG zu werden. Die Läuterung beim Zahrn
Oh Endurist, kommst Du bei Regen nach Hinter- Erzberg an die Flanken der Badewanne. Vergiss nicht, ein Seil mitzubringen. Zweimal hatte ich das Ding unnütz dabei, diesmal liegt es unnütz im Wohnmpbil: GRFZX! Heute weiss ich: Bei Nässe ein MUSS- Utensil.
Nachdem Dir ein Konglomerat aus Wurzeln und Steinen den Puls auf 200 gehebelt hat, und der Bach über steile und rutschige Flanken glücklich umschifft wurde, geht’s in ein Tunnel mit NASS- glitschiger Rampe. Die Läuterung für übermütige Abkürzungs – Spezialisten folgt mitten im finstersten Teil der Rampe: Wie soll man auch ein reifentiefes schwarzes Loch mitten im schwarzen Tunnel sehen können?. Und wer DA mit Glück durchkommt hat bestimmt jenen Schwung verbraucht der nötig gewesen wäre, um die folgende Kante zu überwinden.
Ergebnis: 50 Mann und ein Befehl. Sie dürfen im Stau endlich wieder zu Kräften kommen. Zeit für ein Pläuschchen: „Hey. Wir kennen uns doch von xyz!“ Ein verlorener Führerschein wandert von Mann zu Mann. Schluck! Das ist ja meiner! Meine Lichtmaske hat sich im Gewühl der Startberge gelöst, und die darin steckenden Papiere ebenso. Jetzt ist Zeit für kleine Reparaturen, eine Kombizange wird rumgereicht, ein Stück Kupferdraht hat’s wieder gutgemacht. Als Belohnung ein Schluck Wasser und ein Energieriegel. Dann die befreiende Abfahrt in die Badewanne. Die folgenden Rampen sind für die 520 normal ein Kinderspiel. In Unkenntnis der wahren Verhältnisse rufe ich dem unten schon wartenden Sohnemann zu: „Mach die Kamera fertig, jetzt wird’s lustig!“
Furchtlos weil Ahnungslos
Plötzlich meldet sich das Kleinhirn: „Achtung, Gefahr! Irgendwas ist heute anders als sonst!“.
Ein Blick nach vorne stimmt nachdenklich: Da picken ja schon wieder so viele Fliegen mitten im Hang! Was ist denn hier wieder verkehrt?
Einige Meter weiter ist alles klar: Der Morast wird immer tiefer, ätzender Eisenschlamm setzt sich nach und nach in jeder Ritze und Spalte von Fahrer und Maschine fest. Die Beschleunigungsspur ist keine Solche mehr, sondern im Gegenteil: Es handelt sich um eine BREMS- Spur: Je weiter nach vorne Du Dich baggerst, desto tiefer wird’s, und Du fühlst Dich plötzlich in Zeiiitluuupeeeee versetzt. Es geht zu wie beim Traktor- Pulling!
Der mini- Speed der an der Rampe noch übrigbleibt reicht gerade um so weit hochzufahren, dass man in den steilsten Teil kommt: Ja, genau da, wo das Umdrehen und wieder runterfahren echt knifflig ist. Aber die gute Nachricht: Unten fällt es sich butterweich, wenn die Schlammfontäne über Dir zusammenschwappt!
Aber einige schaffen es doch, und die haben eine haarstäubende Taktik entwickelt: Von gaaanz hinten, wo es noch festen Boden gibt, wird MEGA angeraucht, durch den Schlamm durchgestochen, und offensichtlich bleibt dann noch genug Speed übrig, um hochzufallen.
Das Problem: Bei DEM langen und schlingernden Anlauf ist es Glückssache, nicht mit einem Kurz- Starter oder einem „Heimkehrer“ zu kollidieren. Aber heute ist gutes Wetter, denn die Schutzengel fliegen wieder mal sehr tief!
Beim dritten Anlauf wage auch ich die Langversion. Mit einer ganzen Flugshow im Bauch:: Von gezieltem Lenken kann im Morast keine Rede sein, es handelt sich mehr um einen vom Zufall geführten Eiertanz mit Auge mal Pi Generalrichtung Rampe. Die Dritte dreht zwar voll, schlammgebremst entspricht der Speed über Grund aber nicht wirklich der Drehzahl des Hinterrades. In Hangmitte ist also zurückschalten auf die Zweite angesagt. Und dann der Kampf mit dem steigendem Vorderrad: Neiin! Nur kein Erzberg- Salto! Nicht, wenn der Sohnemann die Kamera laufen hat! Nur noch zwei Meter bis zur Kante- und aus!
Direkt unter mir zwei Jungs, denen es ähnlich gegangen ist: Wir stecken die Köpfe zusammen und geloben, uns gegenseitig hochzuzahrn! Nur: So in Handarbeit ist es nicht zu schaffen, wir bugsieren mein Bike gerade mal einen Meter hoch, und sind fix und fertig. Da ist nebenan ein Seil in Aktion! Blitzschnell wird es gekrallt, mit vereinten Kräften angzahrt, und SCHWUPPS, ist es oben. Das macht fast Spass, denn oben beteiligen sich einige Zaungäste und auch mein Sohnemann beim Ziehen, und da kommen beachtliche Kräfte zustande.
Geschafft! Vier Bikes haben wir hochgewuchtet, jeder hat die rote Krawatte um. Da! Zwei Blicke treffen sich, blaue Augen, so tief wie die weite Nordsee: „Helft Ihr mir auch?“ entzückt eine zarte weibliche Modulation Herz und Gemüt. Was macht ein zartes Mädel in diesem Chaos? Sie hat meinen absoluten Respekt, Bewunderung und Mitgefühl: Klar doch, hallo Jungs! Her mit dem Seil!“ Leider Fehlanzeige, ihre Karre liegt ARG tief am Hang.
Viel zu tief!
Wäre eine gute Idee gewesen, sie zu einem neuen Anlauf zu ermuntern. Aber DAS so einem zarten Wesen zuzumuten? NIE! Die ritterlichen Ideale sind geweckt, lieber würde Parzival hier am Hang sein Leben lassen als seine Lady Genevra hier alleine den grausamen Horden des Hunnenvolkes auszuliefern.
Also Menschenkette: Ich habe das Seil in ihre Gabel eingeklinkt, und bin soweit hoch wie es geht. An der bergseitigen Hand zerren jetzt an die zehn edlen Recken, die alle ihr Bestes uns Letztes geben. Leider haben sich die Fussrasten von Heike’s 450er KTM perfekt in den Hang eingegraben, und die am Beginn beschriebene Zerr-Reissprobe nimmt ihren Lauf.
Gerade, als ich mich den Kräften ergeben will, und bereits die Vorstellung des armlosen Ritters aus „RITTER DER KOKOSNUSS“ von meinen geschundenen Gehirnwindungen Besitz ergreifen will, erkennt ein Profi die Situation: Er nimmt sich Heike’s Bike an: Senkrecht gegen den Berg gestellt, und mit Motor- Unterstützung, bewegt sich die Menschenschlange bergwärts. Oben treffe ich den Seilspender, es ist mein Gesprächspartner vom Tunnelstau: „Gell das schreibst schon rein, dass das Seil von mir war!“
Und er bedankt sich noch dafür, dass wir nicht gleich weitergestürmt sind und auch anderen geholfen haben. Hmm....
Das gibt zu denken, sollte das nicht selbstverständlich sein?
GHOST ... Der Geist des Erzbergs
Geneigter Leser! Hast Du im Ernst geglaubt, am Erzberg geht es wirklich um den Sieg? Mitnichten. So wie auch bei der DAKAR geht es für 95 Prozent der Teilnehmer um das Abenteuer, die Suche nach der Grenze und das Erleben von echter Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und gegenseitiger Aufopferung.
HA! Ist doch egal, ob ich jetzt 151 ter oder 212 ter bin oder wie diesmal 180 ter. Im Moment der Hilfeleistung ist das Rennen selbst in die Bedeutungslosigkeit abgedriftet. Jetzt geht es um das GEMEINSAME Übeleben. Dafür habe ich die tiefe Dankbarkeit erleben dürfen, wenn ich helfen konnte. Und dieser GEIST, der wird besonders stark gefordert und intensiv ge- und erlebt, wenn die Bedingungen DERART biestig wie diesmal sind.
Und als Belohnung dafür, bin ich prompt in der folgenden Etappe auf einen wunderbaren Menschen gestossen: Wieder einmal war die Batterie leer. Weiss der Geier, warum der Lüfter bei dem Minus ständig läuft und die Batterie leersaugt.
Stell Dir vor: Mitten in der haarigsten Stein- Zahr- und Wurzel- Etappe verendet Dein Grosspott plötzlich, weil Du die Kraft nicht mehr aufbringst, um den Kupplungshebel rechtzeitig zu ziehen. Deine Batterie ist alle, und vom Starter kommen nur noch einige unqualifizierte Geräusche, etwa wie:
Klacke-di-k-klick!
Auch die Beinmuskeln haben längst den Löffel abgegeben, und im Vertrauen: Um den ollen Pott anzukicken brauchst Du den Tritt eines hafergedopten Vollblüters bei der Levade!
Dann kommt ER! Ganesha persönlich!
Foto: www.erzberg.at

Er kickt Dir die Maschine an, und zwar: Wie NIX! Dann hilft er noch beim Heben und Zahrn, ruft noch nach: „Fahr zua, ich komm schon zurecht!“
Und dann ist es ihm nicht zu blöd, dasselbe noch mal zu machen. Was denkst Du über so jemand? Mein MEGA- Dank an die Selbstlosigkeit des wunderbaren Unbekannten. Und meine Bewunderung für den knallharten Antritt, vor dem jeder Lippizaner einen Höllenrespekt hätte. ... WOW, was für ein Naturbursch!
(Lieber Helfer, liebe Leute: Bitte melden wer ähnliches erlebt hat, wir würden Einige gerne den Lesern persönlich mit Bild vorstellen! Der Red.)
FANGO FANDANGO
Die zweite Badewannen- Auffahrt ist dank griffiger Anfahrt vergleichsweise ein Klacks. Nicht dass es nicht anspruchsvoll wäre: Die Anfahrt bietet dank einiger Kamelbuckeln reichlich Gelegenheit, Deinen Mut zu beweisen. Wenn sich die Sprungphasen einstellen und Du Dich nicht schocken lässt und am Gas bleibst, kommst Du unbedingt hinauf.
Dahinter wieder Schlamm pur: Sind das jetzt nur einige schlanke Pfützen oder echte Löcher? „Fahr herum“ ruft mir eine Stimme zu. Danke, Ganesha! Hinter mir hat einer nichts gehört und steckt plötzlich bis zum Tankdeckel im Eisenschleim. Er hat mein Mitgefühl, aber in DEM Fall, wenn der Motor bereits Eisenbrei inhaliert hat, kommt jede Hilfe zu spät: „Prost Mahlzeit!“
Ab in den Wald, jetzt geht es um nasse Steine und Wurzeln, um viel Schwung, Heb- und Zahrerei, und um Balancegefühl auf reifenbreiten Saumwegen. In solchen indifferenten Gleichgewichts- Zitterpartien knapp am Abgrund entfährt Dir unwillkürlich ein kräftiges: „Du heilige Scheisse, was tu ich mir das an?“
Und einige Rutschpartien an zu steilen weil nass-glitschigen Abfahrten später kommt das typische: „NIE WIEDER!“ und kurz darauf das Stossgebet: „Heiliger Bremsbelag, wenn ich DAS lebend überstehe, dann gelobe ich beim Grip meines Stone- Eaters: DAS tue ich mir NIE wieder an!“
Komisch ist nur, dass nur kurze Zeit später, unter der Dusche oder bei der Heimfahrt diese Angstreaktion als nichtig weil kindisch = unzurechnungsfähig eingestuft wird: „Hallo“, hörst Du Dich ungläubig tönen; „Das war doch wieder ein klasse Abenteuer! Zu blöd aber auch, noch 11 Monate und 30 Tage bis zum nächsten Erzberg- Rodeo, sooo lang!“
DER TUNNEL IN DAS HIMMELREICH
Einige Zahrerei weiter: Der berühmte Tunnel! Quer geht’s in pechschwarzer Finsternis durch den Berggipfel. Drüben angekommen musst Du Dich samt Bike durch einen kaum mehr als einen Meter hohen Spalt quetschen!
Aber was ist das? Bin ich zu hoch geklettert, bis in den Himmel? Denn plötzlich ist alles um mich herum gleissend hell, und ein weisser Engel empfängt mich: „Du willst einen Stempel, mein Sohn?!“ Oder so ähnlich höre ich ungläubig. Da sehe ich erst, es ist der Streckenposten vom Checkpoint 4: Zentimeter dick kleben die ekligen Graupel an seine Luvseite. Der arme Kerl! Und die Luft ist weiss, der Boden, die Bäume, ALLES!
So einen Blizzard kenne ich sonst nur aus Filmen, wo sich der Held neben das Pferd in den Windschatten legt und sich Stunden später aus einer Schneewächte herausarbeiten muss. Neben sich den gut konservierten Proviant für zwei Wochen ...
Na gut, denke ich bei mir. Warum nicht? Schliesslich habe ich ja auch das Winterenduro in Lunz bestritten. Und da hatte es mehr Schnee. Nur fällt mir in den folgenden Passagen auf, dass ich ganz alleine bin, und dass reger abwärts- Verkehr auf den Terrassen herrscht: Da wird mir klar: Rennabbruch!
Wegen des Starterproblems und der forschreitenden Erfrier- Entkräftung finde ich das eine wichtige und richtige Entscheidung des Herrn K. Auf den Spuren der Stars schlittere ich durch die Hare- Scramble Schlusspassagen talwärts: Einmal sich fühlen wie ein Cyril Despres! Herrlich! Und rauf den Zielhang ...
Nanu? Kein Empfangskomitee? Kein Red Bull als Belohnung? Kein Applaus? Hmm....irgendwas geht mir ab, aber was? Ach ja, Frau und Sohn sind noch am Berg, die werden SO schnell noch nicht da sein.
STARMANIA
Also Erkundigungen einholen: Wie war es den Cracks gegangen? Hat der grossmäulige US-Topfahrer Travis Pastrana seine Wette eingelöst, dass er mindestens Dritter bei JEDER Europäischen Veranstaltung wird? In den
USA wurde er zwar 125er Meister und X Games Sieger. Am Erzberg aber: Zweimal fast, einmal gar nicht; Seine Klasse liess er schon beim Prolog aufblitzen: Mit seiner 250er Suzuki hat er definitiv weniger Leistung als
seine Grosspott- Konkurrenten. Und fräst seinen Rasenmäher trotzdem an beiden Tagen an den zweiten Platz. Sein Übermut endet im Hare Scramble aber am Wasserrohr: Sturz und Vorderbremse letalisiert!
Karl Katoch (Veranstalter) & Christian Pfeiffer (Sieger)

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SO! und jetzt soll mir EINER sagen, wie man durch DIESEN Höllenparcours OHNE Vorderradbremse kommen sollte? Bei DEN Abfahrten? Er hat’s geschafft, ob mit dem Siemens- Luftdübel, oder mit Red Bull Flügerln? Das wird sein Geheimnis bleiben. „Nur“ der 17 Rang? Die Meisterleistung des Tages! Trotzdem, 1000 Dollar Wettgeld gehen nicht verloren, sie wechseln nur den Besitzer...
Und wer hat gesiegt? Christian Pfeiffer kam, sah und siegte.
Da er erst um 3h morgens angekommen war, konnte er bestimmt nichts besichtigen. Er berichtet: „Die schwierigste Stelle war ein 150 Meter langes, bergauf führendes V-Tal aus Riesen- Steinen, dem ich den Namen „Sado-Maso“ gegeben hab. Ein Meter fahren, Bike heben, zahrn, und dann wieder ein Meter. Juha Salminen war immer dichtauf, sogar oft mal kurz vor mir. Aber dann hat Juha im Steingewühl des Rock and Roll die falsche Spur gewählt“ Von da an führt CP uneinholbar bis ins Ziel, vor Freude springt er per Salto von seiner GASGAS!
Bester Amateur: Der bewundernswerte Andreas Obereder, Motorradhändler aus Kärnten, hat sich aus der ZWEITEN Startreihe voll an die Spitze vorgekämpft: 6.Platz und BESTER Österreicher! Andreas, der dem Filmheld „Hector“ aus „TROJA“ wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht, hat damit die Enduro- Geschichte umgeschrieben; Er hat sich an die Ferse des Österreichischen Enduro-„Achilles“ Werner Müller geheftet, und ihn trotz zwei Minuten Zeitnachteil und einem ganzen Haufen fluchender Hindernisse an den Starthängen schliesslich um eine Minute abgehängt. Auch Obereder wie Sieger Pfeiffer auf der 300er Zeitakt- GASGAS! Werner’s Trost: An beiden Prolog- Tagen hat er immerhin gewonnen, und er kann seinem Enkerl eines Tages sagen:
„Kind, ich habe zur Zeit eines Andreas Obereder gelebt!“
Wir gratulieren natürlich beiden!
Die Tragödie des Tages: Dieter Happ, der seine 525 EXC auf den 34. Platz im Prolog platzierte, musste dank spinnendem Startknopf erst mal das ganze Feld ziehen lassen...erst mal kräftig KICKEN! Nachdem er das Chaos an den Startbergen zu einem Vorstoß an die Spitze um Cyril Despres nutzen konnte, durfte auch er anschliessend wieder ausgiebig KICKEN, KICKEN, KICKEN, bis die Socken qualmten. Dafür alleine hätte er schon den Taurus- Sonderpreis verdient! Als um 15.15 – der Zielbogen in Sichtweite- das Rennen abgebrochen wurde und er damit auf den 37 Platz rückgeschleudert wurde: Er kann es nicht verstehen: „Geschneit und gestürmt hatte es doch den ganzen Tag“. Auch dem Kärntner Klaus Martinjak wurde wegen knapper 50 Meter die Tür für die ersehnte Zieldurchfahrt zugeschlagen. Dieter, Klaus! Wir verstehen Euch! Auch Ihr gehört ab heute zu den unsterblichen Helden in den Annalen des Erzberges!
Denn was die Jungs – jeder einzelne Finisher für sich mitmachen muss, entzieht sich jeder Vorstellungskraft:
Schon mal überlegt, dass die bisher aufgezählten Schrecken ja nur der Vorgeschmack, nur 4 von 14 Sektionen sind?
Darum zum Abschluss die Beschreibung einer Passage, wo es dem Autor bei der („zufälligen“) Besichtigung die Fussnägel aufgestellt hat:
Wovor wir normal- Sterblichen niemals Angst haben müssen: - GULP -
Denn da gibts eine Stelle, ich nenne sie die Kante in die Unendlichkeit
Stell Dir vor:
a) aus einer 10 Meter tiefen Steilabfahrt
b) auf einen reifenbreiten Grat einfädeln, und ohne Abstützmöglichkeit ca. 10 Meter balancieren
c) direktes Abbiegen in weiteren Steilhang mit grossen Steinblöcken, alles an Haftgrenze ...
d) Am Ende dieses ANGST- Hanges nur eine 20 cm breite Kante, dahinter TIEFER Abgrund ...
der Blick verliert sich in diesiger Ferne ...
e) Du musst von dieser Kante mit nur einem Meter Anlauf
f) in eine Schotterhalde queren (ungespurt)
g) aber sooo weit, ca. 5 Meter dass Du in einen Bereich kommst
der nicht in die = Unendlichkeit mündet, sondern
h) nach 30 Metern zur Strasse mündet
i) Achtung, kurzer Gegenhang - wer da zu schnell runterkommt...bautz!
Dagegen ist das Zündstofflager ein Kindergarten.
Meine Gedanken dazu: „SCHLUCK! Hoffentlich geht mir vorher der Benzin aus!“
Wundert es Dich noch, dass sich selbst die Stars oft helfen lassen müssen?
Text: Albert Pucher
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