El Chott 2002  
Ein Bericht von Matthias Haubold 
[WEITERE BERICHTERSTATTUNG ZUR 18. EL-CHOTT]  [WEITERE FAHRERBERICHTE]]

Foto: Bernd Schmitz

So, es ist wieder so weit, die El Chott steht erneut vor der Tür und ich habe mich wieder angemeldet! Obwohl letztes Jahr alles schiefging bei mir, sowohl technisch als auch von der Orga her. Aber nachdem im Frühjahr nochmal der neue Organisator bei mir angerufen und sich für die ganzen Mißgeschicke des letzten Jahres entschuldigt hatte, war das Eis gebrochen und nun freue ich mich schon wieder auf Pipelinepiste und co. Diesmal mit der KTM, die mir ja bereits in Marokko gute Dienste geleistet hatte... [HOMEPAGE]

Der Start brachte mich gleich zum Schwitzen: ich hatte extra, um auf Nummer sicher zu gehen, vorher die 10.000er Inspektion in der Werkstatt machen lassen, bin mit dem Moped heimgefahren und es zuhause in die Garage gestellt. Als es dann nach München ging, nur raus, auf den Hänger und ab nach Süden. In München abgeladen, Zündschlüssel rumgedreht und - nichts! Kein Mucks, gar nichts. Auch Überbrückungsversuche mit einem Auto brachten keine Besserung. Erst als einer von Reiner Finks Team die Anschlüsse der Batterie kontrollierte (incl. Massekabel zum Rahmen und Stecker zum Spannungsregler, ging es endlich wieder und der Motor ließ sich starten...

Foto: 
Bernd Schmitz

Der Showstart in München war ziemlich enttäuschend. Man wartete einige Stunden, bis es soweit war, fuhr mit dem Motorrad durch den Start und ums Eck und verlud dann das Motorrad wieder auf einen Hänger, um es dann nach Genua zu bringen. In Genua selbst war dann wieder das große Warten angesagt. Lustig war eine ganze Horde Harleys gleich nebenan, die ebenfalls eine "Tunis-Rallye" durchführten. Tja, der Begriff "Rallye" ist eben dehnbar.

Auf dem Mittelmeer herrschte hoher Seegang, so daß ich schon Angst hatte, meine Kathi würde vom Hauptständer fallen und den chromblitzenden Haufen Schwermetall aus Milwaukee verkratzen, der daneben parkte. Das ging gut, nicht hingegen das Abendessen. Das Hauptessen verpaßte ich in der Kabine, und die Banane zum Nachtisch wollte nicht sonderlich lange im Magen bleiben. Das kommt wohl davon, wenn man den ganzen Tag nichts gegessen und nur ein Glas Whisky getrunken hat.

Die Ankunft in Tunis verlief nach tunesischen Verhältnissen sehr unproblematisch. Irgendein Stempel oder Papier fehlt immer, aber das ist ja schon fast normal, und schlußendlich konnten wir uns alle zum großen Showstart auf der Avanue Habib Bourgiba versammeln. Von da aus mußten noch ca. 300 km nachts auf Autobahn und Landstraße bis zum Hotel in Bir Ali Ben Khalifa gefahren werden. Die Strecke zog sich zwar, ist aber immer noch besser als tagsüber in den Dörfern mit fliegenden Kieseln begrüßt zu werden.

Der erste richtige Fahrtag führte an die algerische Grenze nach Tamerza, einer imposant an einer Schlucht gelegenen Siedlung. Was sich beim Prolog schon andeutete, wurde kurz darauf Gewissheit: der Himmel wurde immer dunkler und irgendwann begann es zu regnen. Nicht viel, aber doch so, daß die Kleidung ständig feucht und kalt war. In den Bergen hatte ich einmal auf der Piste die falsche Abzweigung gewählt und verlor ziemlich viel Zeit, bis ich endlich wieder den richtigen Weg fand. An

Foto: Bernd Schmitz

diesem Tag gab es auch schon den ersten Ausfall, ein Engländer überschlug sich [BERICHT] mit seiner umgebauten Affentwin und wurde gerade von 2 Jeepfahrern erstversorgt, als ich vorbeikam. Ich hatte einigermaßen gute Nachricht für sie, denn kurz vorher hatte ich erst das Promedic-Team überholt, so daß notärtzliche Hilfe schnell vor Ort war. Durch meinen Ausflug in die Berge hatte ich so viel Zeit verloren, daß ich erst nach Einbruch der Dunkelheit im Camp ankam. Der Weg dorthin war sehr streßig, weil der Asphalt nahtlos seitlich der Straße in Schotter überging, alles die gleiche Farbe hatte und keinerlei Markierungen die richtige Richtung anzeigten. Nachts genoss ich den Sternehimmel und lege mich einfach so schlafen, ohne das Zelt aufzubauen. Tja, frühmorgens kam dann der Regen zurück :-(

Am nächsten Tag verließen wir das Bergland und fuhren über eine Piste mit traumhafter Aussicht hinunter in die große Ebene. Dort ging es über diverse Pisten bis nach Nefta. Kurz vor dem Tagesziel ging es nochmal hinein in den Sand, in einem Dünengebiet mußten mehrere DKs angefahren werden. Nach einigem Zickzack hatte ich meine Stempel alle beisammen und konnte weiter zum Hotel fahren, wo endlich wieder warme Duschen waren.

Nun stand die Südumrundung des Chott an, auf einer tiefverspurten und schnellen Piste ging es bis Douz. Kurz vor Douz gab es dann auch den ersten und einzigen richtigen Sturz von mir, bei relativ hoher Geschwindigkeit verriß es mir in einer tiefen Sandspur das Vorderrad und stellte sich quer, und ich machte einen schönen Abflug über den Lenker. Dank der Landung im weichen Sand ist aber nichts passiert, weder mir noch dem Bike. Ich kam dann relativ früh in Douz an und konnte mir einen gemütlichen Nachmittag gönnen.

Foto: Andriane Köster

Der neue Tag hatte einen Rundkurs um Douz zu bieten. Auf dem Roadbook schaute er ganz harmlos aus, 20 Kilometer auf der Piste Richtung Ksar Ghilane und dann auf einem Kompaßkurs querfeldein wieder zurück Richtung Douz. Die Piste selbst war relativ einfach, 5. Gang und fast Vollgas. Dort fiel leider bereits der Schweizer Marcel mit seiner Rallye-KTM aus, nachdem er noch am Vortag die Etappe gewonnen hatte. Der zweite Teil zeigte dann die ganze Tücke der Weichsandfelder. Man konnte bei geschickter Streckenwahl sehr rasch vorankommen, sich im anderen Fall aber blitzschnell gnadenlos einsanden. 5 Kilometer vor dem Ziel setzte auf einmal mein Motor aus, kein Benzin mehr! Hätte vielleicht doch besser noch mal tanken sollen. Blöderweise genau an einer ziemlich abgelegenen Stelle, an der niemand vorbeikam. Ich wollte die Notreserve einschalten, dummerweise war sie schon die ganze Zeit offen. Scheiße! Zum Glück waren in irgendwelchen toten Winkeln noch ein paar Spritreste, so daß ich nach 10 Minuten den Motor wieder zum Laufen brachte (besten Dank an den Unbekannten, von dem ich mal den Tip bekommen hatte, in die Tankenlüftungsleitung zu blasen, um die Benzinpumpe zu entlüften, sonst würde ich wohl immer noch dort stehen und den Anlasser quälen). Kaum lief der Motor fuhr ich los und stand gleich danach vor einem großen eingetrockten Salzsee, die ZK immer noch 5 km entfernt genau am anderen Ufer. Außen herumfahren war mir zu riskant wegen des Benzinmangels, daher Augen zu, auf den Gepäckträger setzen und Vollgas. Ich merkte, wie das Moped deutlich einsank, aber dank der hohen Geschwindigkeit kam ich bis zum anderen Ufer. Von dort ging es auf Steppe weiter zur DK. Da dort auch erstmal keiner Benzin übrig hatte, versuchte ich zum nächsten Ort zu kommen, blieb aber 500m nach der ZK endgültig ohne Sprit liegen. Gut, jetzt war es ja nicht mehr so tragisch, ich war ja schon durchs Ziel, und so wartete ich eben bis jemand mir Sprit abgab.

Foto: Andriane Köster

Nun ging es endlich hinein in die Wüste. Erst auf der Piste des Vortags, dann quer über einen großen Dünenkamm Richtung Ksar Ghilane. Dank des Nieselregens war der Sand sehr fest, so daß der Dünenkamm kaum ein Problem darstellte (ich bin sogar einen kleinen Umweg gefahren, um zum höchsten Punkt des Kamms zu belangen und von dort die Landschaft zu genießen). Nach dem Dünenfeld ging es wieder auf einer Piste weiter, bis wir am Fort von K.G. noch mal kurz in den Sand abbiegen mußten.

Eigentlich war heute ein Ruhetag geplant, aber aufgrund des kühlen Wetters am Vortag hatte sich die Orga entschieden, diesen nach hinten zu verschieben. Aber das Wetter hatte sich gebessert, und es wurde ein heißer Tag. Es war ein Kurs in Form einer Acht im Dünenfeld vorgegeben, der zweimal befahren werden mußte. Langsam wurde der Sand wieder trocken und das Fahren zusehend schwerer. Mehrmals grub ich mich bis zu den Achsen ein und beförderte dabei auch viel Sand in den Luftfilterkasten. Es kam wie es kommen mußte, irgendwann war der Filter so dicht, daß der Motor kaum noch lief und bei jeder Last sofort stotterte und ausging. So macht das Fahren in den Dünen sehr viel Spaß :-( Ich kämpfte mich nur noch von Düne zu Düne, immer mit viel Schwung hinunter und wieder hinauf, und bergauf nur nicht Gas geben. Es dauerte zwar sehr lange und war sehr schweißtreibend, aber irgendwann hatte ich die erste Runde geschafft. Danach gab ich auf und fuhr ins Lager, um den Filter sauber zu machen (ich hatte keine Reserve mehr dabei). Im Lager traff ich Kloppi, einen Berliner Adventurefahrer, den ich vom Adventureforum und -treffen her kannte. Er war mit einer Reisegruppe auch in Ksar Ghilane und suchte dringend (aber leider vergebens) nach Ersatzteilen zur Behebung seines Motorschadens. Er gab mir netterweise seine noch verbliebenen Luftfilter, die mir die nächsten Tage noch gute Dienst erweisen sollten.

Am kommenden Tag gab es immer noch keine Pause, nun stand die große Dünenrunde bevor. Die ersten Kilometer gingen ganz gut, bis dann mitten im Dünenfeld wieder der Motor ausging. Ich Idiot hatte schon wieder vergessen zu tanken! Zum Glück kam ein anderer Adventurefahrer vorbei, der einen vollen Tank hatte und froh war, ein wenig davon los zu bekommen, um das Gewicht zu senken. Mit einer leeren Wasserflasche füllten wir 3 Liter um und es konnte weitergehen. Bei der nächsten DK spendete mir ein Autofahrer dann nochmal 5-10 Liter Sprit, so daß die Fahrt bis ins Ziel gesichert war. Kurz vor der 2. DK hörte der Sand auf und ging in in eine Schottersteppe über. Genußvoll gab ich Gas und fuhr flott auf die Autos zu. Vor lauter Freude, es geschafft zu haben, vergaß ich ganz, auf den Weg zu achten und übersah einen quer verlaufenden Weg. Als ich ihn bemerkte, befand ich mich auch schon im Flug, bin aber dabei zum Glück nicht gestürzt. Nie war ich so froh über lange Federwege wie jetzt! Von der DK aus ging es nur noch über die Pipelinepiste und eine Teerstraße bis zum Camp.

Endlich Ruhetag! Kleine Servicearbeiten an der KTM, Liegen in der Thermalquelle und ein wenig ohne Gepäck im Sand fahren, das war's. So richtig erholsam! Ich bin dann auch mal zum Fort gefahren, um es mir endlich mal anzusehen. Leider gibt es außer den Grundmauern und dem Eingangstor nichts mehr zu sehen, und auch den geschichtlichen Hintergrund kenne ich nicht...

Foto: Andriane Köster

Zurück nach Douz! Ist ja ganz einfach, ein bißchen durch Dünen, über den hohen Kamm der Hinfahrt und dann wieder auf der Piste weiter. Soweit zur Theorie! Nur hatte die Sonne inzwischen ganze Arbeit geleistet und den Sand durch und durch ausgetrocknet. Zuerst lief es noch ganz gut, bis auf einmal Fehlzündungen anzeigten, daß der Luftfilter wieder zu ist. Kein Problem, ich hatte ja Kloppis Filter dabei. Nach dem Wechsel mußte ich aber erst mein Moped wieder in die richtige Fahrtrichtung bringen, denn ich hatte es steil bergauf geparkt, um das Hineinrieseln von Sand in der Vergaser während des Lufi-Wechsels zu verhindern. Das kostete bereits viel Kraft aufgrund der hohen Tempearturen. Später fuhr ich mich nochmal fest, als ich wegen eines steckengebliebenen Autos bergauf im Tiefsand stehenbleiben mußte. So war ich relativ ausgepowert, als ich den großen Dünenkamm erreichte. An einer Düne biß ich mir die Zähne aus, es ging nichts mehr vor und zurück. Jeden Meter mußte ich das Moped wieder ausgraben. Das machte ich ca. 10 Mal, dann ging nichts mehr. Ein italienischer Autofahrer half mir dann, das Moped zu wenden und wieder nach unten zu einem ebenen Stück zu fahren. ich machte erst mal 5 Minuten Pause und versuchte es erneut. Wieder 5 Mal innerhalb weniger Minuten eingegraben, diesmal ging gar nichts mehr! Ich ließ das Motorrad so stecken wie es war, zog die Jacke aus und legte mich erst mal eine halbe Stunde in den Schatten der KTM. Dazu ein paar Energieriegel und einen halben Liter Wasser. Nun ging es wieder und nach einigen Versuchen war ich endlich oben. Nur noch über den nächsten Hügel und was sehe ich? Das Dünenfeld ist zu Ende, mir hatten nur 100 m Luftlinie gefehlt! Der Rest ging nun einfach, nur die Taxis auf der Piste waren nervig, die teilweise Wettrennen mit mir fahren wollten.

Foto: Andriane Köster

Letzter Wertungstag, nur noch eine kleine Runde um Douz und dann zur Zieldurchfahrt ins Kamelstadion. Die Runde startete mich kleinen Dünen, die keine Probleme darstellten, und ich konnte reihenweise vor mir gestartete Autos überholen. Zum Ende der Strecke hin kam noch ein Gebiet mit hohen Dünen. Ich folgte einer anderen Mopedspur. Dummerweise scheint das eine leichte Sportenduro gewesen zu sein, denn ich versank gnadenlos auf dieser Strecke. Einmal bin ich zweiten Gang und flotter Fahrt innerhalb von nur 2 Metern vorne so weit eingesunken, daß nicht mal mehr die Bremsscheibe zu sehen war. Folge wie üblich: Rolle vorwärts, und das Moped steht so stabil, daß erst einmal das Vorderrad freigeschaufelt werden muß, um es umlegen zu können. Am Abend gibt es dann noch Siegerfeier mit Pokalen. Diesmal hat es bei mir auch geklappt, nachdem ich letztes Jahr nicht in Wertung war und somit leer ausging.

Foto: Andra Köster

So, jetzt geht es wieder heimwärts, knapp 500 km müssen auf der Straße zurückgefahren werden. Da es nach Regen aussieht, fahre ich zusammen mit einem anderen Teilnehmer in einem Stück durch, nur mt Unterbrechungen zum Tanken. So gab es wenistens einen Tag bei dieser Rallye, an dem ich als erster das Ziel erreichte :-)

Am darauffolgenden Tag fuhren wir noch die 50 km bis zum Hafen. Die Überfahrt selbst war unspektakulär, wenn auch windig. Beim Verlassen des Schiffs passierte noch ein tragisches Unglück: Tom Föge geriet unter den rückwärts fahrenden Camion Balaj. Er verstarb trotz Notoperation noch im Krankenhaus. Die Rückfahrt zog sich zimlich in die Länge,weil wir erst in München und Karlsruhe Mopeds ab- und umladen mußten, so daß zwischen Ankunft in Genua und Ankunft zuhause fast 22 Stunden vergingen...

Text: Matthias Haubold
Fotos: BSO

El-Chott 02 v. M.H.

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enduroabenteuer Ausgabe 4 - 2004
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