U.A.E. Desert Challenge 2000
Ein Erlebnisbericht von Christian Wölfl alias FLATC

Als erstes die Antwort auf die wichtigste Frage, "wie war's?": 

War OK, kann man machen, muss man aber nicht. Allerdings muss man erst einmal mitgemacht haben, um zu diesem Schluß zukommen...

... und jetzt ins Detail.

Freitag 3.11.  Ankunft in Dubai.
Habe mir ein Billig-Hotel (50 DM) besorgt und bin dann zur Orga (Rallye Organisation). An dem Tag lief nichts, Freitag im Islam ist wie Sonntag bei uns in Europa. Immerhin war zu erfahren, daß für Privat-Mopedfahrer nichts vorbereitet war, kein Stellplatz fürs Moped und die Kiste, keine Werkstatt zum Schrauben.

Samstag 4.11.  Moped am Hafen abholen.
ICO (Rallye Tripmaster) wurde beim Schiffs-Transport abgerissen, ansonsten ist das Moped in gutem Zustand. Der Rest meiner Ausrüstung, die zwei Räder und meine AluKiste haben ein paar Kollegen mit einem Mietwagen mitgenommen. Am Hotel habe ich dann erst mal ein bisschen geschraubt, danach wurde dann doch eine 12 km entfernte Werkstatt zur Verfügung gestellt.

Sonntag 5.11. weiter schrauben ...
man hat ja sonst nicht zu tun. Der linke Gabelsimmering musste gewechselt werden denn der hatte schon beim Transport nach Genua den Geist aufgegeben. Nachdem ich den ICO auch repariert hatte war ich fertig, hab ich zumindest geglaubt.

Nebenbei gab es noch einiges an Papierkram mit der Orga. zu erledigen ... ein ziemliches Chaos. Obwohl man alles schon dreifach vorliegen hatte musste jedes Papier noch einmal gesichtet werden. Am besten war die internationale Startgenehmigung vom DMSB, die ging im Original an den Veranstalter, aber vor Ort wollte man die Kopie sehen, die die Fahrer geschickt bekamen!

Ärgerlich war das mit dem Miet-GPS. Im Reglement wurde ausdrücklich beschrieben das es obligatorisch sei. Vor Ort war das dann auf einmal doch nicht so! Etwas späte Info, hat ja nur 600 DM Mietgebühr gekostet, und das eigene GPS lag zu Hause ....

Montag 6.11. Technische Abnahme.
Hat den Namen nicht verdient, von wegen Klasseneinteilung etc. Musste leider noch Kabelbaum auseinander nehmen, da die Stromversorgung der Navigationsinstrumente zusammengebrochen war.

Konnte zum Glück in der Halle der Abnahme schrauben, als draußen Sandsturm und Wolkenbruch war. Auch gut, man schraubt ja nicht jeden Tag neben einem Rolls mit Emily, Türgriffen und Fensterknöpfen aus Gold. Den Fehler hab ich auch gefunden und mit einer original staatlich emiratischen Kabelklemme behoben. Auf dem Rückweg zum Hotel (jetzt im Luxus-Bunker auf Rallye-Kosten) ist mir dann noch der Schalthebel abgefallen. Blöd, dass er gerade von einem Laster überrollt wurde, als ihn Thomas Schattat bergen wollte (hatte zum Glück noch 2x Ersatz dabei).

Dienstag 7.11. Prolog.
Endlich Moped fahren ... weil, wenn man fahren muss, hat man ja keine Zeit mehr für den ganzen Sch... wie an den Tagen davor. Für den Rest der Veranstaltung hat dann auch tatsächlich die gute KTM 620 SC klaglos gehalten. Zum Prolog, die Profis haben hier natürlich taktisch getrödelt, um die Strecke nicht eröffnen zu müssen. Bin recht zügig gefahren um eher vorne in die erste Etappe zu starten. Dumm war nur das die Orga. plötzlich Probleme bei der Zeitnahme hatte. Also Start nach Startnummer, für mich mit Nr. 99 somit ganz am Schluss!

Mittwoch, 8.11. 1. Etappe.  Ca. 310 km
Am Morgen war zunächst der Show-Start mitten in Abu Dhabi angesagt. Danach ging es 50 km außer Wertung bis zum Start der Sonderprüfung. Angereist sind wir zum Glück schon die Nacht vorher. Bis man allerdings dann fast als letzter loskommt, ist's auch schon fast 11 Uhr, richtig warm und die Frische ist dahin. Ziemlich schnelle Vollgas-Pisten im Wechsel mit ein paar schnellen Sandstücken, ab und zu eine schnelle Salzsenke beschreibt die Streckenführung. Alles ohne richtige Höhepunkte, sozusagen zum Warmfahren.

Jeder Blödsinn stand im Roadbook, sogar seichte Kuppen nach denen die Piste gerade weitergeht, nur ein ein Meter tiefer und vier Meter breiter Graben quer über die Piste war nicht drin. Hab's noch recht gut erbremst und bin nur fast im Stand noch reingefallen.

Dazu gab’s auch ordentlich GPS-Punkte, ca. 50, da kann man gar nicht mehr falsch fahren und ist höchstens von der Fülle der Navigations-Information verwirrt. Das hat sich am Folgenden Tag noch auf 80 GPS-Punkte gesteigert! Am Ende bin ich als 33. mit 4h Fahrzeit ins Etappenziel eingelaufen. 

Leider fing für mich aber jetzt erst das Debakel an. Über eineinhalb Stunden musste ich das Camp nach meiner Kiste durchsuchen. Ab 5 Uhr wurde es bereits dunkel, und Strom und Licht gab’s auch noch nicht. Außer einer Richt-Aktion mit einem 3-Kilo-Hammer am Rahmenheck war zum Glück nichts.

Donnerstag, 9.11. 2. Etappe.  ca. 413 km.
Richtung Südwesten. Viel schnelle Pisten, aber auch quer durch flache Dünenlandschaften (auch schnell). Besonders auf den tief zerfahrenen Ölfeld-Pisten wurde klar, dass die KTM untermotorisiert ist. Im 5. Gang nur noch 110 – 120 km/h. Dafür volles Pendelvergnügen, nie mehr ohne Lenkungsdämpfer! Die Profis fahren da einen sauberen Strich und haben gut 30 km/h mehr drauf.

So in der Hälfte, zwischen CP 2 und CP 3 dann diese dumme Dünenkante. Ich habe sie leider übersehen und bin gleich gesegelt. Zum Glück bin ich noch im weichen Abhang aufgekommen und gepurzelt, allerdings waren das auch ca. 10 m. Gelandet bin ich auf der rechten Schulter, sehr schmerzhaft. Weiterfahren ging, allerdings musste ich es etwas langsamer angehen. Am Moped war nur das Roadbook und die Tripmaster etwas verdengelt.

Kurz darauf am 3. CP gab es erst mal eine Pflichtpause. Der Abbruch wegen fehlender Hubschrauber-Kapazität stand im Raum. Nach einer Stunde gab es dann doch einen Neustart. Von da an habe ich mich dann so weitergeschleppt und bin trotz Problemen mit den verdengelten Instrumenten noch ganz gut zu CP4 gekommen. Da war dann allerdings endgültig Schluß, das letzte Teilstück wurde rausgenommen. Offiziell wegen Hubschraubern, aber wohl auch, weil auf den 180 km vom Tankstopp bei CP2 bis CP4 ab ca. km150 begonnen wurde, die Mopeds wegen Spritmangels zu parken (auch die KTMs mit 30l-Tank), und die mussten ja alle geborgen werden. Danach hat zumindest niemand mehr Unverständnis darüber geäußert, daß ich für so kurze Etappen meine Hecktanks montiert hatte (vor allem nicht der Australische Kollege, den ich noch betankt habe).

In der Wertung war ich dann immerhin noch 46. mit knapp 5 1/2 h Fahrzeit. Allein der Unfall hat mich ja bestimmt ne dreiviertel Stunde gekostet, ganz zu schweigen von meinen vielen Hilfsaktionen. 

Die 200km lange Rückfahrt ins Bivouac führte zwar über geteerte Straßen, war aber für mich wegen meiner Schulter die reinste Hölle. Abends ging ich dann zum Arzt, der meinte das nichts gebrochen sei und ich könnte prinzipiell weiterfahren. Um dies auch praktisch umzusetzen hat er mir ordentlich Schmerzmittel mitgegeben.

Freitag 10.11. 3. Etappe, ca. 380km.
Die Königsetappe in den Süden zu 'großen' Dünen an der Grenze zu Saudi Arabien. Am Anfang erst mal sehr schnell auf Pisten und z.T. querfeldein. Irgendwann so gegen Ende der ersten Hälfte der richtige Abflug. Habe eine kleine Sandrippe übersehen, vielleicht weil ich wegen der Schmerzmittel etwas benebelt war, wahrscheinlich war es aber nur eigene Blödheit. Durch die Sandrippe ist das Moped ist hinten hoch gebockt, ich bin rechtzeitig davon weg. Das Moped hat sich mehrfach überschlagen und auch ich rollte um die eigene Achse. Wie ich dann da lag, dachte ich erst mal, so das war’s jetzt! Nach ein paar Sekunden hab ich dann wieder alle Extremitäten gespürt und bewegen können und bin dann wieder aufgestanden.

Zum Glück trug ich trotz der Hitze Protektoren an allen Einschlagsellen (Wirbelsäulenschutz und Crosspanzer an Rücken und beiden Schultern). Am Helm hab ich später zwei Risse am Kinnbügel entdeckt. Gut war das ich keine Werkzeugtasche um die Hüfte getragen hatte.

Moped war OK bis auf die erneut verdengelten Navigationsinstrumente. Die Kollegen, die in der Nähe waren, hatten auch alle angehalten denn der Sturz sah wohl ganz spektakulär aus. Na ja es waren ja auch schließlich so 20-30 Meter Flugbahn von der Sandrippe, leicht bergauf, bis hin zum Einschlagsort. Das Moped hab ich dann aus dem 5.Gang zurückgeschaltet, also es müssten wohl so 80-110km/h Absprunggeschwindigkeit gewesen sein.

Konnte dann gleich weiterfahren, denn die Schmerzmittel hatte ich ja schon vor dem Start genommen. Sinnigerweise ging es dann auch gut weiter. Kurz vor dem letzten CP hatte ich eine leichte Erschöpfungsphase mit ein paar Umfallern. Glücklicherweise war ich da mit Andor Baltz unterwegs, der mir da ein paar mal aufgeholfen hat.

Am letzten CP hab ich dann Stephane Peterhansel der im Mega gleichzeitig los gefahren ist, vorgelassen. Ein paar km später war ich wieder dran, dachte erst, das gibt’s doch nicht. Dann was soll’s, musst du halt Peterhansel überholen. Wie sich später herausstelle hatte er Motorprobleme und ist später noch ausgefallen. Trotzdem, das war ein richtiger Kick für mich. 

Von da an ging’s dann richtig gut und zügig weiter, keinerlei Konditionsprobleme, da werden Endorphine ohne Ende ausgeschüttet. Schade bloß, dass die Strecke nie über die großen Dünenzüge drüberging, immer nur zwischen den hohen Kämmen. Da hatten die Veranstalter Schiss vor dem 'rescue-nightmare' (Zitat). Ist ja nur ein Weltmeisterschaftslauf, da kann man das dem Teilnehmerfeld wohl nicht zumuten. So hat auch wieder mal ein richtiges Highlight gefehlt. Am Ende dann immerhin noch 31. mit 6h20 Fahrzeit.

4. Etappe, ca. 405 km.
Nach Osten Richtung Oman und wieder zurück ans Meer. Sauschnell, die ersten 200 km in 2h. Navigatorisch geschenkt, 80 GPS-Punkte, alles andere als eine Herausforderung. Trotzdem habe ich Schlesser Kreise fahren sehen in einem kleinen Dünengebiet. Am Ende der Ostwärtsfahrt kamen Wadis und Berge, richtig hübsch und mal eine Abwechslung, aber kaum war man da ging’s auch schon zurück nach Westen.

Alfie Cox - Gauloises Racing Team
Foto: GauloisesRacing.com

Ansonsten eher ereignislos. Interessant war, wie Alfie Cox vorbeigezogen ist. Wegen seines Ausfalls am Vortag musste er von hinten starten. Du hängst auf einer festen Piste im 5. Gang mit 150 km/h ganz hinten auf der Sitzbank und glaubst einfach nicht, wie schnell Alfie bzw. seine Staubwolke nach vorne wegzieht. War trotz allem der beste Tag, keine Stürze, keine großen Schmerzen beim Fahren. Im Ziel: 23. Platz in gut 5 1/2h Fahrzeit. Und der 400 km in der schwarzen Werkzeugtasche durchgeschüttelte Jägermeister im Ziel schmeckt wirklich unvergleichlich gut...

Christian Wölfl & FLAT
FLAT Racing Team
Foto: FLAT Team

Danach war Show-Zieleinlauf mit Rampe etc. im Polo-Club. Flat hat sich natürlich sofort vorne aufs Moped gesetzt, und Chef Suleyman hat sofort gecheckt, dass er die Medaille nicht mir sondern Flat umhängt. Seitdem hat er sie nicht mehr abgelegt. Abends Gala -Dinner im Hotel in Dubai, Essen wirklich Ok, Meeresfrüchte rauf und runter und so weiter, aber Bier musste man selber zahlen (12 DM 0,3l). Am Tag drauf bei der Party von der Orga war Alkohol natürlich umsonst.

Beim Einladen der Mopeds im Hafen gab es noch mal leichtes Chaos, weil die Orga es in 2 Tagen nicht geschafft hat, die Kisten rechtzeitig zum Hafen zu bringen. Irgendwie ist dann aber doch alles angekommen ... ist halt ein anderer Kulturkreis!

Nach einem Tag im Hotelbett mit Fersehen und nicht bewegen hatte ich mich soweit regeneriert, dass Flat und ich noch 2 Tage mit einem Mietwagen ein bisschen rumgefahren sind. Es gibt noch wirklich nette Landschaften in den Emiraten, von Bergen, Wadis, Sand und Dünen alles was das Herz begehrt. Da hätte man ja auch die eine oder andere abwechslungsreiche oder technisch anspruchsvolle Etappe reinlegen können...

Fazit:
War schon schön und wirklich interessant, aber es war auch das Geld und den Affentanz meiner Meinung nach nicht wert. Andere Leute, wie z.B. Andrea Mayer, sind da vielleicht anderer Ansicht aber die fuhr und fährt auch mit einem ganz anderen Hintergrund, nicht auf sich allein gestellt. Das Ergebnis geht mit 23. von 100 auch wirklich in Ordnung, vor allem wenn man bedenkt, wie schlecht das alles eigentlich gelaufen ist. Ich ... freue mich auf jeden Fall schon auf die nächste kleine Rallye (auf jeden Fall Breslau!). Mal wieder richtige Navigation. Denken müssen beim fahren, und so schnell, dass mein Moped zu langsam ist, ist es auch nicht.

Flat & Christian
Text & Fotos: Christian Wöfl & Friends

FLAT-C Dubai 2000

© AdventureBike - selectCOM - E.S. - 2001 - 2004

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enduroabenteuer Ausgabe 4 - 2004
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