Ein Doppelsieg
Das gewinnende Team ... Gauloises KTM
Foto: Gauloises Racing
für die KTM 660 Rally
und Frankreich
Was gab es vorher für Diskussionen: Der Motorradwettbewerb der Rally Dakar wäre uninteressant, ein KTM-Rennen. Das sei kein Wettbewerb und spannende Rallytage könne man wohl vergessen. Von wegen! Vor allem die Fahrer der beiden KTM-Werksteams haben diese 25. Rally Dakar wieder spannend gemacht. Denn von Anfang an war es nicht nur ein Kampf Mann gegen Mann, sondern auch ein Kampf der beiden Motorenkonzepte: Einzylinder gegen Zweizylinder. KTM 660 Rally gegen KTM 950 Rally. KTM-Chef Stefan Pierer sieht sich im Ziel von Sharm El Sheik bestätigt. „Das Ergebnis und der gesamte Rennverlauf der Dakar zeigen, dass beide Motorenkonzepte absolut wettbewerbsfähig sind. Sehr erfreulich ist die Vielzahl der Einzylindermaschinen von KTM, die stabil ins Ziel gekommen sind.“ Zum Ausgang der Dakar meint Pierer: „Es stehen die besten Fahrer oben. Die, die Erfahrung, Navigation und den Mut zur Geschwindigkeit am besten vereinen.“
Perfekt hinbekommen hat diese Mischung in diesem Jahr Richard Sainct. Er gewinnt das Rennen nach 19 Tagen und 8552 Kilometern auf einer KTM 660 Rally. Ein Einzylinder auch auf Platz 2 – mit einem Fahrer, der ganz nah dran war an seinem großen Lebensziel Dakar-Sieg. Cyril Despres braucht für den Weg von Marseille nach Sharm El Sheik nur gut 7 Minuten mehr als Richard Sainct. Toutes mes félicitations! – Herzlichen Glückwunsch an beide. Fabrizio Meoni, der mit der KTM 950 Rally im letzten Jahr siegte, wird diesmal 3.
Ein schlechter Tag hat ausgereicht, um den lange spannenden Zweikampf zwischen den Einzylindern und den Zweizylindern zu entscheiden. Es ist die 10. Etappe, bei der Sand ins Getriebe der KTM 950 Rally kommt. Isidre Esteve Pujol
musste seine Maschine bereits nach Etappe 8 abstellen, Motorschaden. Nun fahren sowohl Fabrizio Meoni als auch Giovanni Sala Hunderte Kilometer mit nur einem Zylinder und verlieren kostbare Zeit. Schon an diesem 12. Januar ist
Meoni klar: „Heute habe ich das Rennen verloren.“ Aber er kämpft, sucht seine Chance. Meoni gewinnt die 11. Etappe mit fast 10 Minuten Vorsprung vor Sainct und die 13. Etappe mit 13 Minuten Vorsprung. Die KTM 950 Rally beweist ihre
Leistungsfähigkeit und Meoni greift weiter an. Eine Sekunde der Unaufmerksamkeit macht schließlich seine Hoffnungen auf einen Hattrick zunichte. Denn einen Tag später stürzt Meoni schwer, er hatte einen Stein
übersehen. Verletzungen und mehrere Schäden am Motorrad, die er reparieren muss, werfen ihn entscheidende Minuten zurück. Wiederum einen Tag später beißt Meoni die Zähne zusammen und holt für seine Mechaniker einen
weiteren Tagessieg. Ein Kämpferherz durch und durch.
Kini und Nani Roma: Trost nach dem Ausfall
Foto: Zenit/J. Olave
Für Gesamtsieger Richard Sainct scheint Ägypten ein gutes Pflaster zu sein. Schon einmal stand er hier nach einer Dakar ganz oben auf dem Podium, bei der Rally Dakar – Kairo 2000. Diesmal also in Sharm El Sheik. Sainct fährt während
der gesamten Rally immer vorn mit. Er ist schnell, riskiert aber nicht alles; nutzt Tage, an denen andere Probleme haben, um einen Vorsprung heraus zu fahren. Die Angriffe Meonis machen ihn nicht unruhig. Als der stürzt, zeigt sich Sainct
fair: „Es tut mir leid für ihn und auch für den Wettkampf.“ Aber Sainct weiß auch, dass seine Taktik in diesem Jahr die beste war: möglichst zeitig den Spitzenplatz herausfahren und danach die Augen offen halten. „Ich warte ab, was
die anderen machen. Ich will vorne mit dabei sein und falls es notwendig ist, attackieren. Ich liege vorn und kann das Rennen kontrollieren.“ Das macht der zweifache Dakar-Sieger erfolgreich bis Sharm El Sheik.
Richard Sainct und Cyril Despres: sind 2003 das Maß aller Dinge
Foto: Zenit/J. Olave
Ihm am gefährlichsten ist in den letzten Tagen Landsmann Cyril Despres, für Heinz Kinigadner der „technisch beste Fahrer“. Despres fährt die beste Rally seiner Laufbahn, und das, obwohl er nach einem Schlüsselbeinbruch im Herbst nicht voll hatte trainieren können. Der junge Franzose ist denn auch glücklich im Ziel. „Die harte Arbeit vom Dezember hat sich ausgezahlt. Ich hätte nicht gedacht, dass es so toll für mich wird.“
Es gab noch mehr Titelaspiranten. Aber Männer wie Alfie Cox und Nani Roma scheiden vorzeitig aus, beide nach schweren Stürzen, bei denen sie sich verletzen. Sie wollten viel und verlieren alles.
Kini und Alfie Cox: Freude nach dem Tagessieg
Foto: Zenit/J. Olave
Zwei, die sich trotz nicht komplett verheilter Verletzungen bis nach Sharm El Sheik durchkämpfen sind Carlo de Gavardo und Gio Sala. Respekt vor dieser Leistung.
Die positivste Überraschung aus KTM-Sicht ist der junge Spanier Marc Coma. Nach dem Aus für Pujol und Roma ist er der „Rest“ des Teams Telefonica KTM. Teamchef Heinz Kinigadner: „Coma hat mehr getan, als nur die Fahne des Teams hochzuhalten. Er hat sehr viel Potenzial und ist ganz klar ein Mann für die Zukunft.“ Und Coma hofft darauf: „Ich will weiter in einem Werksteam fahren. Mich begeistert das internationale Flair bei KTM und ich fühle mich sehr wohl. Wenn ich meine Navigation noch verbessere, werde ich noch weiter nach vorn fahren können.“
Nur zwei von 17 Etappen gehen in diesem Jahr nicht an die Armada der KTM-Teamfahrer. Die holt sich P.G. Lundmark auf den Etappen Nr. 10 und 17. Richard Sainct gewinnt 5 Etappen, Cyril Despres und Fabrizio Meoni 3, Gio Sala
2, Alfie Cox und Nani Roma je 1.
Marc Coma: fährt auf seiner 2. Rally fast wie ein alter Hase
Foto: J.Cunha
Viel geredet wird in den drei Rally-Wochen über ein zu einfaches, zu schnelles Rennen. Über Tage hinweg lautet die wichtigste Frage: Wer muss die Spur
ziehen, wer kann sie nutzen? Nur die vorletzte Etappe ist technisch anspruchsvoll und fordert Navigationskünste. Folge: Zumindest bei den Autos kippt die Gesamtwertung noch einmal. Kini: „Die Spannung der letzten Tage –
das war Rally pur. Die A.S.O. wird auf die Diskussionen reagieren. Da wird etwas passieren im nächsten Jahr.“ Apropos nächstes Jahr. Kini: „Wir haben viele Ideen. Und wir werden wieder dabei sein! In gewohnter Form. Die Dakar ist für
KTM der wichtigste sportliche Auftritt. Also geben wir weiter Vollgas. Es gibt keine Einsparmaßnahmen. Alle anderen Diskussionen sind Bullshit.“ Ein klares Wort zur rechten Zeit.
KTM-Chef Pierer ergänzt: „Wir haben sehr viele gute Privatfahrer in diesem Jahr gesehen. Auch aus Osteuropa. Unsere Idee ist, KTM-Länderteams aufzustellen, die sich miteinander messen. Zwei Fahrer, z.B. aus Polen oder Slowenien bilden
ein KTM-Team, dass wir dann unterstützen. Das wird die Rally spannender machen.“ Und Pierer will noch einen Schritt weiter gehen. „Ich werde mit den Herstellerkollegen der Mitbewerber reden und versuchen, sie für die Dakar zu
gewinnen. Diese Rally ist die beste Verbindung von Abenteuer und Hochleistungssport.“
Zum Schluss noch einmal ein Kompliment an die ganze KTM-Mannschaft, an die Mechaniker, die Fahrer und Co-Piloten der Assistenz-Trucks und -Autos, an den Physiotherapeuten und die Team-Mitglieder, die alles so koordinieren, dass die
Arbeiten Hand in Hand laufen und die Fahrer sich nur auf ihr Rennen konzentrieren müssen. Alle haben einen phantastischen Job gemacht. Sie haben sich ebenso wie Meoni und Co. durch die Wüste gekämpft, haben navigiert und
aufs Gas gedrückt. Um dann, im Biwak, an ihre eigentliche Arbeit zu gehen. Eine Wahnsinnsleistung, ohne die das tolle Ergebnis der Fahrer nicht zustande gekommen wäre.
Das KTM-Biwak: hier arbeiten alle für den
Erfolg
Foto: J.Cunha
Auf ein Neues 2004 – bei der härtesten Wüstenrally der Welt, Ausgabe 26.
Text: KTM

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