ABNAHME

30./31. Dezember 2002 - Montag / Dienstag:

    Marseille, Messegelände Parc Chanot (Departement Bouches du Rhône)

    Highlights der Startformalitäten: Papier- und technische Abnahme. Eintritt frei.

    Parc fermé befindet sich auf dem Gelände des Parc Chanot (30. Dez. 02 bis 1. Jan. 03)

    Bericht:
     Es ist soweit
     Die Spannung steigt

     

Montag, 30. Dezember:

TELEFONICA-DAKAR: Abnahme  - Es ist soweit

Auch wenn die Telefonica Dakar erst am 1. Januar um 17.00 Uhr mit einem Prolog im Parc Chanot von Marseille offiziell beginnt und sich die Teilnehmer danach über Spanien in die Wüsten Nordafrikas a

Cyril Despres
Foto: Gauloises Racing

ufmachen, hat die administrative und die technische Abnahme heute schon begonnen. Während die Sieger des letzten Jahres (die Werksteams von Mitsubishi und KTM) erst am Dienstag im Süden Frankreichs erwartet werden, sind einige andere der Favoriten in der Autowertung bereits in Marseille eingetroffen. Wie erwartet, wurden bereits diese Teilnehmer an der fünfundzwanzigsten (und damit der Jubiläums-) Ausgabe der Dakar von einer großen, begeisterungsfähigen Menge begrüßt - aber richtig ernst wird es für alle Beteiligten erst am Mittwoch.

Nachdem im Jahr 2002 die nordfranzösischen Stadt Arras als Startort fungiert hatte, ist in diesem Jahr Marseille Gastgeber für die 342 Teilnehmer und ihre 142 Begleitfahrzeuge. Fahrer und Mechaniker treffen hier die letzten Vorbereitungen vor dem Start zum zweieinhalbwöchigen Rennen: Überprüfung der Fahrzeuge, der Visa, der Ausrüstung usw.

An diesem ersten Tag der Abnahme durchliefen etwa 50 Motorräder die technische Kontrolle. Nach seinen Zielen befragt, antwortete der Franzose Francois Flick (KTM 22): “Das Rennen beenden und mit ein wenig Glück die Marathon-Amateurwertung gewinnen.”

“Es ist großartig, an dieser 25. Ausgabe teilnehmen zu können. Ich freue mich schon auf großartige Landschaften und riesige Dünen. In diesem Jahr haben sich die Organisatoren wirklich eine ganz besondere Strecke ausgearbeitet. Aber das Wichtigste ist wahrscheinlich, Mutter Natur erfolgreich zu trotzen - sie dürfte nach wie vor unser größter Gegner sein.”

Nach den Motorrädern kamen einige der großen Favoriten auf vier Rädern, darunter als erster die beeindruckenden BMW X5-Diesel von Luc Alphand (Nr.221) und Gregoire de Mevius (Nr.205). Laut eigener Einschätzung des französischen bzw. belgischen Piloten liegt der Gewinn der Rallye nicht im Bereich des Möglichen. Aber wenn man ihre Fahrzeuge betrachtet und an ihre perfekte Vorbereitung denkt, kann an ihrem wahren Ziel eigentlich kein Zweifel mehr bestehen.

Einige Minuten später rollte Jean-Louis Schlessers Buggy auf den Parkplatz, sehr zur Freude der zahlreichen Fans, deren Jubel im Aufbrüllen des brandneuen Ford-Motors fast unterging.

Für den Franzosen, einen der Favoriten der Rallye, ist “der Druck nicht so hoch wie in den vergangenen Jahren.”

“Wir gehen die Rallye ruhig und zuversichtlich an - schließlich haben wir ein ganzes Jahr an unserem Auto gearbeitet.”

Doch der Höhepunkt des Tages kam, als kurz nach Mittag der viermalige Gewinner Ari Vatanen (Nr.204) in seinem glänzenden neuen Nissan Pick Up vorfuhr. Ganz Marseille schien den Finnen in der technischen Zone begrüßen und bejubeln zu wollen. Achtundvierzig Stunden vor Beginn des Rennens sieht alles danach aus, dass Vatanen trotz sechsjähriger Abwesenheit der beliebteste Teilnehmer an dieser 25. Edition werden dürfte.

Dagegen schien mit Khalifa Al Mutaiwei (Nr.218) aus Katar ein weiterer Nissan-Fahrer förmlich im Schatten seiner renommierten Teamkollegen (darunter auch Shinozuka, De Villiers und Delavergne) zu verschwinden.

“Es ist einfach unglaublich: Als Junge habe ich diese Typen im Fernsehen bewundert - und heute sind wir im selben Team!”

#Zum ersten Mal seit 1991 - damals ging die Dakar im Stade Velodrome vom Start - ist Marseille erneut Startplatz der Rallye. Am Dienstag werden die Wellen der Aufregung und Begeisterung vermutlich noch höher schlagen, wenn die Fans die Favoriten bei den Trucks und den Motorrädern begrüßen sowie Jutta Kleinschmidt in ihrem Volkswagen (Nr.203) und den Sieger des letzten Jahres, den Mitsubishi-Piloten Hiroshi Masuoka (Nr.200).

 

 

Dienstag, 31. Dezember
Abnahme (Marseille – Parc Chanot)

DIE SPANNUNG IM PARC CHANOT STEIGT

KTM bei den Motorrädern, Mitsubishi bei den Autos: Am zweiten Prüfungstag der Telefonica-Dakar im von der Dezembersonne gewärmten Parc Chanot standen die amtierenden Rallyegewinner im Rampenlicht. Die beiden Teams aus Österreich bzw. Japan, die auch dieses Jahr wieder als Favoriten gehandelt werden, geben sich zwar ohne falschen Stolz als potentielle Sieger zu erkennen, vergessen weder die Wüste, diesen unerbittlichen Schiedsrichter, noch die unzähligen Herausforderer, die am 1. Januar um Punkt 17 Uhr am Start der 25. Dakar stehen werden.

Fabrizio Meoni & Richard Sainct mit Nani Roma im Hintergrund.
Foto: Gauloises Racing

Angesichts der Tatsache, dass knapp zwei Drittel der teilnehmenden Motorräder aus dem Rennstall KTM kommt ist der Gedanke an einen möglichen Sieg nur schwer zu verdrängen. Diese überwältigende Mehrheit ist jedoch nicht gleichbedeutend mit mangelnden Aussichten auf spannende Kämpfe auf der Strecke. Es ist im Gegenteil davon auszugehen, dass die zehn "offiziellen" Fahrer den Sieg unter sich ausmachen werden. Mit der Entwicklung von vier Zweizylindern (Weiterführung des Gewinnermodells von 2002) für Fabrizio Meoni (Nr. 1), Joan ''Nani'' Roma (4), Giovanni Sala (6) und Isidre Esteve Pujol (8) sowie sechs Einzylindern für Alfie Cox (Nr. 2), Richard Sainct (3), Carlo De Gavardo (5), Cyril Després (7), Jean Brucy (9) und Marc Coma (10) hat die österreichische Fabrik nicht alles auf eine Karte gesetzt.

Després, der vor kurzem noch in Dubai den Sieg davontragen konnte, erklärt die Unterschiede zwischen beiden Modellen: "Die Fahrer der Zweizylinder-Maschinen sind alles eher 'dicke Brummer' … und so muss es auch sein. Die Maschine ist schwerer, höher, sehr leistungsstark (über 100 PS). Angesichts meiner Gewichtsklasse bin ich sehr zufrieden mit einem Einzylinder. Ich denke, dass insgesamt weder die eine, noch die andere Art Maschine im Vorteil sind. Im Sand ist die kleine Maschine besser. Wenn es dagegen darum geht, Gas zu geben, ist die große Maschine besser. So einfach ist das."

Meoni, Sieger der beiden jüngsten Dakar-Ausgaben, geht mit der gleichen Geisteshaltung an den Start wie im Vorjahr: "Natürlich versuche ich zu gewinnen, aber in erster Linie geht es mir darum, ins Ziel zu kommen und Spaß zu haben. Dreimal hintereinander zu gewinnen wäre natürlich schön, aber es ist nicht schlimm, wenn es mir nicht gelingen sollte." Alfie Cox dagegen wagt es dieses Jahr (fast), an einen Sieg zu denken: "Es scheint so einfach: Ich müsste einfach einen Platz besser sein als letztes Jahr! Das einzige Problem ist, dass alle KTM-Fahrer sehr schnell und nicht leicht aus der Ruhe zu bringen sind. Gut ist dagegen, dass die Strecke dieses Jahr für alle Fahrer neu ist. Das ist in meine Augen ein entscheidender Faktor."

Bei den Vierrädern stehen VW und Mitsubishi diesmal in Konkurrenz zueinander. Mit den großen Lüftungsöffnungen auf Motorhaube und Kotflügeln, den Hinterreifen, die zweimal so groß sind wie die Vorderreifen und den schlanken Formen von Designer Giorgetto Giugaro erinnert der ''Desert Nardo'' fast an einen Prototyp für die Rennpiste. Wären da nicht seine beeindruckende Bodenfreiheit und seine berühmte Spitzenpilotin Jutta Kleinschmidt (Nr. 203), die bislang als einzige Frau die Dakar für sich entscheiden konnte (2001). Die Deutsche gibt zu, dieses Jahr Neuland zu betreten: "Die letzten Schrauben meines Wagens wurden heute nacht angezogen, und ich habe den Wagen noch nie gefahren. Ich mache mir nichts vor, denn man darf keine Wunder erwarten: Wir nehmen teil, um 2004 und die Einführung des Touareg vorzubereiten. Es geht uns darum, Erfahrungen zu sammeln und nicht, als Erster ins Ziel zu fahren."

Der ebenfalls durch sein Design auffallende Mitsubishi Pajero ''Evo'' dagegen verfolgt ganz andere Ziele. Seine beiden Fahrer Hiroshi Masuoka (Nr. 200), Sieger der Dakar 2002 und Stéphane Peterhansel (Nr. 206), stärkster Animator der Vorjahresausgabe und sechsfacher Sieger bei den Motorrädern, sind in den Augen vieler Kenner die Favoriten schlechthin der diesjährigen Telefonica-Dakar. Zwar hören sie dies gern, sind jedoch skeptisch angesichts der 9000 km-langen Strecke über diverse Geländearten: "Theoretisch haben wir das beste Fahrzeug", sagt Peter, der gleich bei der ersten offiziellen Teilnahme vor zwei Monaten in Dubai einen Sieg mit dem Wagen erfuhr. "Aber bei einem so schwierigen Rennen kann soviel passieren. Wer weiß, vielleicht verliere ich auf der ersten Etappe auf afrikanischem Boden zwei Stunden und bleibe bis ins Ziel Wasserträger für meine Teamkollegen? Unser Team hält zusammen: Am wichtigsten ist es uns, dass in Sham El Sheikh ein Mitsubishi gewinnt." Mit Jean-Pierre Fontenay, Gewinner der 1998er Ausgabe (Nr. 202) und Miki Biasion (Nr. 207), dem doppelten Rallye-Weltmeister am Steuer eines Pajero und Carlos Sousa (Nr. 211) auf einem Pickup mit gleicher Motorisierung hat Mitsubishi natürlich einige schlagkräftige Argumente, die für einen Sieg sprechen…

Bei den Lkws warten alle gespannt auf ein neues Kapitel im Duell Tschagin (Kamaz Nr. 407)-Loprais (Tatra Nr. 408) ? beide verzeichnen insgesamt acht Siege ? ohne jedoch die beiden potentiellen Favoriten Salvador Servia (MAN 421) und Jan De Rooy (DAF 409) zu vergessen: "Auch wenn die Kamaz unangreifbar wirken werden wir versuchen, in der gleichen Kategorie zu spielen wie sie. Durch die Streckenführung haben alle die gleichen Chancen, und das finde ich gut."

Text: ASO Dez 2002

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