Vom Sommer,
dem Grüßen
und was-weiß-ich...

Ein schöner Sommertag, die Strahlen der Sonne sind wie Balsam auf der Seele. Am tiefblauen Himmel bilden ein paar Kumuluswolken weiße Tupfen und es weht ein leichter, angenehmer Wind. Nach wochenlangem Entzug, bedingt durch Wetter und Zeitmangel, kribbelt es richtig im Bauch: Endlich mal wieder eine Runde mit der Dicken drehen!

Lässig lehnt meine Twin auf ihrem Seitenständer und blinzelt mir zu: „Komm, laß uns über ein paar Landstraßen brennen!“ Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, flugs schmeiße ich mich in meine Mopedklamotten, krame die bislang so unnütze Sonnenbrille hervor und starte den 750er V2.

Ein breites Grinsen klebt in meinem Gesicht, als ich losfahre und den herrlichen Sound des Twin vernehme. Erstmal behutsam fahre ich den Motor warm, bis er Betriebstemperatur hat und wedele dann ganz locker durch die ersten Kurven. Längst habe ich Frielingen und Otternhagen hinter mir gelassen und fahre Richtung Averhoy im Landkreis Neustadt am Rübenberge. Als ich durch eine 120km/h – Kurve fliege, kommt mir ein Nakedbiker in ähnlichem Tiefflug entgegen. Locker heben wir die Linke zum Gruß und weiter geht es Richtung Mariensee. Hier gilt es, eine kleine Brücke zu überqueren, welche über ein quirliges Bächlein mit klarem Wasser führt und danach eine etwas knifflige Kurvenkombination, die in den Wald hineinführt, zu durcheilen. Ich lasse es erstmal ruhig angehen, gut so: Prompt versaue ich die Linie und auf der Gegenfahrbahn taucht ein Pkw mit Anhänger auf, der ein wenig weit ausholt. Das geht besser, denke ich noch und reiße den Hahn auf. 2. Gang, 3. Gang, 4. Gang, 5. Gang – Mist, wo ist der Sechste? Egal, die nächste Kurvenpassage steht an und der vordere TKC wehrt sich wimmernd gegen die harte Bremsung und schon geht es weiter Richtung Hagen. Ein kleiner verwunschener Ort mit einer Dorfschänke und alten Fachwerkhäusern, welche mit schiefen Giebeln und welligen Dächern zwischen den Bauernhöfen liegen. Selbstverständlich drossele ich das Tempo auf knapp 50km/h, denn Kinder spielen auf der Straße Fußball und sausen mit ihren kleinen Fahrrädern durch die Gegend.

Erst jetzt bemerke ich, wie wenig Biker unterwegs sind. Kaum habe ich den Gedanken ausgeführt, taucht ein Biker auf, halt – es ist ein Roller. Die Dinger sind immer schwerer von den Bikes zu unterscheiden, mit Ihrer Plastikverkleidung. Lässig hebt er die Hand zum Gruß, meine klebt am Lenker. Verdammt, es war eine Enduro mit mindestens 500cm³ aus einem Topf. Zu spät, was bastelt der sich auch so ein Plastikteil vorne dran! (Grummel)
Jetzt geht es weiter, auf eine etwas langweiligere Passage Richtung Husum. Es geht hauptsächlich geradeaus, aber mein Ziel ist Schneeren, wo man zwischen den Feldern einem sehr geschwungenen Weg folgen kann.

Wieder kommt mir ein Biker entgegen, mit fachmännischem Blick identifiziere ich eine Yamaha XRJ 1300 und reiße die Hand hoch. Shit! Der Typ auf dem Roller grüßt zurück, im Vorbeifahren erkenne ich gerade noch die braunen Sandalen und das flatternde Holzfällerhemd! Da habe ich mich ja schön geoutet, aber die Dinger sehen von vorne alle gleich aus! Egal. Hinter der nächsten Kurve kommen mir einige Sportmaschinen entgegen, die Typen schleifen fast mit dem Ellenbogen auf dem Asphalt. Ein mitleidiger Gruß ans schmerzende Kreuz und ich muß husten, weil mir Zweitaktergestank in die Nase steigt. Pöt pöt pöt höre ich noch und die 125er Aprilias verschwinden im Rückspiegel. Ja, Herrschaftszoiten nocheinmal (würde yoe jetzt sagen), ich muß zum Augenarzt! So geht es nicht weiter. Ich nehme mir vor, beim nächsten Moped ganz genau hinzusehen. Mit angestrengtem Blick fahre ich die nächste Kurve an, jederzeit blitzschnell eine Identifizierung vornehmen und die Entscheidung Gruß ja/nein fällen zu müssen. Nicht nötig, auf der letzen Rille kommt mir ein Moped entgegen, mein Herz macht einen Sprung: Die andere Twin zwinkert meiner mit ihrem Doppelscheinwerfer zu und die Fahrer tauschen einen präzisen Gruß aus.

Aha, deshalb haben die anderen nie Probleme beim Grüßen, unsere Twins sind eben aus jeder Perspektive zu erkennen. Das Grinsen in meinem Gesicht wird wieder breiter und ich nehme den Rest der Strecke in Angriff und freue mich schon auf das kühle Bierchen zu Hause.

Ich hoffe, ihr hattet auch einen schönen Sonntag!

Gruß, Max

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enduroabenteuer Ausgabe 4 - 2004
TITEL-mt-02-2005-120breit
Sommer, Grüssen ...

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