Ein ganz normaler Tag im Dezember ...

… ein Druck auf den Knopf und … der Motor dreht sich nur langsam, eher widerwillig. Schnell mache ich das Licht aus um die Batterie zu schonen während ich weiter „örgele.“ Langsam kommt mir das es wohl daran liegen muss das die gute Alte Dame bei minus drei Grad einfach nicht will. „Ob Sie will oder nicht …“ murmele ich so vor mich hin und quäle Sie mit Hilfe des kleinen roten Knopfes am rechten Lenkerende einfach weiter.

Nach fünf oder sechs kurzen Versuchen kommt dann so langsam ein Lebenszeichen aus dem Auspuff. Na ja eigentlich kann man es eher als ein leichtes hüsteln ansehen das aussagt: „Ich bin müde, mir ist kalt … lass mich in Ruhe!“ Damit hat sie schon fast mein Mitleid, aber eben auch nur fast. „Sie ist ein Gebrauchsgegenstand, sonst nichts“ überzeuge ich mich.

So beim achten kurzen Druck auf den Knopf meldet sich der V2 mit dem gewohnten Schnurren und einer Nebelwolke die jeder Nebelmaschine massiv Konkurrenz machen könnte. Na also denke ich mir … ist doch ne AffenTwin … wäre doch gelacht wenn die nicht will! Also, Helm auf, Handschuh an und los geht’s.

Beim Aufsitzen merke ich das alles ein wenig hart erscheint. Klar denke ich, liegt an dem wohl leicht angefrorenen Dämpfungsöl im Federbein und in der Gabel. Eine gute Gelegenheit also mal eine andere Fahrwerksabstimmung auszuprobieren!

Noch ist mir nicht Kalt, ganz im Gegenteil während der ersten Meter auf zwei Rädern frage ich mich warum ich nicht friere. Dieser Gedanke ist ein recht flüchtiger denn bereits nach 150 Metern melden sich meine Oberschenkel aus der Jeans mit der vorwurfsvollen Frage: „Warum in Gottes Namen musstest Du heute mit dem Motorrad in die Arbeit fahren?“ Ein dreh am Gasgriff und auch diese Nachfrage weicht dem Fahrgefühl.

Damit ich also nicht über 80 fahren muss vermeide ich die Autobahn und fahre über Seitenstraßen in die Stadt.  Bei vielen Ampeln spüre ich förmlich wie die Blicke der verwunderten Autofahrer mich durchbohren. Auch am Straßenrand immer wieder verwirrte Gesichter und lang folgende Blicke. Na ja ist schon ne seltene Sache so ein Motorrad bei minus 3 Grad.

Anfänglich hält der Motor das Standgas einfach nicht, erst nach 10 Minuten Fahrzeit läuft die Dicke so wie ich sie kennen- und lieben gelernt habe. Genau zu diesem Zeitpunkt kommt dann aber auch schon der geplante Zwischenstopp an der Zulassungsstelle. 

Die Kollegin hinter dem Schalter ist schon sehr verwundert dass ich bei dem Wetter mit dem Motorrad fahre. Was sie aber viel mehr beschäftigt ist das ich bei Ihr bin um ein Auto abzumelden. Das versteht sie nun ganz und gar nicht und meint: „Sagen Sie mal, melden Sie dann im Sommer das Motorrad ab und das Auto wieder an?“ Grinsend gehe ich weiter zur Kasse und wieder zurück zum Abholen des KFZ Briefes. Gott sei Dank ist das Amt wie leergefegt, fast mehr Beamte als zulassungswütige Bürger tummeln sich da um diese Uhrzeit. 

Den Brief in der Hand haste ich, etwas hektisch wieder raus zu meiner Dicken denn beim Abstellen vor der Zulassungsstelle gab es da eine kleine Herausforderung. Ich konnte zwar das Lenkerschloss einrasten aber den Schlüssel nicht entfernen, der war festgefroren. Als ich zur Tür aus dem Gebäude stürme und um die Ecke sehe steht sie tatsächlich noch da. Mein Puls und Schritt gehen wieder auf normale Geschwindigkeit runter und mir ist zwischenzeitlich richtig warm geworden.

Also rauf auf den Bock und weiter. Die neue Fahrwerksabstimmung ist etwas sehr hart, aber fühlt sich doch gut an . Vielleicht sollte ich die Dicke generell etwas härter dämpfen? Die nächsten 10 Minuten auf dem Bock tun gut. Ich merke zwar dass die Finger etwas kalt werden, die Oberschenkel melden sich mit einem ziemlichen Biss auf der Haut, aber die Freude am Fahren überwiegt!

Am Büro angekommen bastele ich so fünf Minuten am Zündschloss rum um dann den Schlüssel auch irgendwann in der Hand zu halten. Mit dem Gedanken das ich heute Abend wohl mit einem Feuerzeug den Schlüssel aufwärmen muss um dann die Zündung zu aktivieren, ziehe ich mir die Jacke aus und setze mich an meinen Schreibtisch!
ES - Dez. 2002 
 

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enduroabenteuer Ausgabe 4 - 2004
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Ein Tag im Dezember

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